Frauen-SF oder feministische Utopie?

(Erstveröffentlichung SFT 1/85)

"Utopien – leicht verderbliche Ware?" – so lautete der vielversprechende Titel des diesjährigen Tönnies-Tages in Kiel. Im Programm wurde u. a. eine Arbeitsgruppe zu folgendem Themenbereich angeboten: “Soziale Utopien: Emanzipation zwischenmenschlicher Beziehungen. Auswege aus der Geschlechterproblematik – Rollen- und Geschlechtertausch – Androgynie – Matriarchat."

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Neue Welle auf alten Pfaden

(Erstveröffentlichung SFT 132/1973)

„Die Science Fiction indessen hat sich ein Gefängnis aufgebaut und sich selbst darin eingekerkert, weil sie nicht· begreift, daß man die Erlösung der schöpferischen Vorstellungskraft nicht in mythischen, existenzialistischen, surrealistischen Schriften finden kann - als eine neue Information über die Daseinsbedingungen. Indem sie sich vom Zustrom der wissenschaftlichen Tatsachen und Hypothesen abgesondert hat, arbeitet sie an der Errichtung der Ghettomauern, hinter denen sie jetzt ihr mitleiderregendes Dasein kümmerlich weiterfristet.“

(St. Lem, ROBOTER IN DER SCIENCE FICTION (l)

Fürchtet euch nicht, ich bin es. Und er weinte bitterlich. (Nach der Bibel)

Die Aufgabe, über die New Wave zu schreiben, ist eine undankbare. Ihre angeblichen Vertreter lassen Selbstdarstellungen stark vermissen, Sekundärliteratur existiert wenig, die Biertisch-Kapazitäten des Science-Fiction-Club Deutschland e. V. wissen darüber nichts zu vermelden. Obendrein ist der Kreis der ihr allgemein zugerechneten Autoren von der übrigen Literatur, ja von anderen Tendenzen der SF mehr als diffus abgegrenzt, so daß sich selbst unter Beachtung der Tatsache, daß hier Grenzen stets fließend sind, kaum ein Fixpunkt lokalisieren läßt. Vorläufig können wir uns also nur an die im Gespräch befindlichen Namen halten, um zu analysieren, ob sie einem Anspruch genügen, den man als Leser, Kritiker oder Autor an eine New Wave, also eine neue wesentliche Tendenz stellen soll.

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Eskapistisches Kino zwischen Mythen und Märchen

Erstveröffentlichung: SFT 10/84

Flucht in Fabelwelten 

1. Teil: Ursprünge und Vor1äufer des Fantasyfilms

Phantásien, das Land unserer Träume, wird zur Zeit in zahlreichen deutschen Kinos vom alles verschlingenden Nichts bedroht. DIE UNENDLICHE GESCHICHTE, mit Produktionskosten von rund 60 Millionen Mark als teuerster deutscher Film aller Zeiten angekündigt, wagt sich in die bisher fast ausschließlich anglo-amerikanische Domäne des Fantasy-Films vor. Ob aus dem literarischen Welterfolg mit Übersetzungen in 27 Sprachen auf der Leinwand tatsächlich eine "unsägliche Geschichte"1 wurde, wie Autor Michael Ende behauptet, soll an anderer Stelle erörtert werden.

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Eskapistisches Kino II

Erstveröffentlichung: SFT 11/84

Flucht in Fabelwelten

2. Teil: Ein neuer Irrationalismus füllt die Kassen

lndiana Jones, der synthetische Abenteurer-Typ par excellence, jagt dem heiligen Sankara-Stein oder der legendären Bundeslade hinterher, als hinge sein Seelenheil davon ab. Um das Traumland Phantasien zu retten, nimmt Atreju, ein kleiner Indianerjunge, den Kampf gegen das alles verschlingende Nichts auf. Die Suche nach der entführten Prinzessin zwingt Prinz Colwyn, das 'unbeschreibliche Ungeheuer' der 'schwarzen Festung' zu töten. In narzißtischer Verzückung präsentiert ein Barbar namens Conan seine geölten Muskelpakete, mit denen er Feinden Böses und Frauen 'Gutes' antut. All die oben angesprochenen Filme, deren Inhalt sich in der Regel in einem Satz zusammenfassen läßt, stehen für einen Trend, der das Unterhaltungskino mittlerweile seit einigen Jahren dominiert: Ein neuer Irrationalismus, propagiert durch zahllose SF- und Fantasy-Produktionen, füllt die Kassen. Dank dieses Phänomens wurden Einspielergebnisse möglich, die zuvor lediglich als Wunschträume in Produzentenköpfen existierten.

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Ein komischer Stern

(Erstveröffentlichung SFT 9/84)

DIE GROSSE REVOLUTION
Ein Mondroman
Leipzig und Weimar: Kiepenheuer 1983, 208 S., 15 ,60 DM

Unter den deutschen Phantasten ist Paul Scheerbart die wohl skurrilste Persönlichkeit. Zahlreiche Anekdoten, für die sich Ernst Rowohlt, Walter Mehring, Erich Mühsam und andere verbürgen, wissen davon zu berichten.

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