Von Jerusalem’s Lot/Maine nach Boulder/Colorado

Anmerkungen zu drei Romanen von Stephen King

(Erstveröffentlichung SFT 11/85)

Seit 1897, jenem legendären Datum, an dem Bram Stoker seinen DRACULA veröffentlichte, ist der ruhelose Vampir auf ein mittelalterliches Interieur festgeschrieben. Dabei kommt Stoker nicht das Verdienst zu, den Vampir als Topos der phantastischen Literatur erfunden zu haben, sondern das Motiv des blutsaugenden Untoten war bis zu jenem Zeitpunkt schon in vielen Variationen von Schriftstellern bearbeitet worden. Stokers Leistung unter anderem war, in Dracula alle literarischen Stränge und unterschiedlichen Überlieferungen von Vampiren zu einem konsistenten Ganzen zusammengefaßt zu haben. Damit wurde aber die Figur des transsylvanischen Grafen auf eine bestimmte Zeit und eine kodifizierte Umgebung festgelegt, aus der sie nachfolgende Autoren nicht mehr herauslösen wollten oder konnten. Gegenteilige Versuche sind zwar vorhanden, doch ist ihr Plausibilitätsverlust proportional zu der zeitlichen Nähe unserer heutigen Epoche, wie schon Bloch in TECHNIK UND GEISTERERSCHEINUNGEN darauf hinweist, daß mit der Zeit des elektrischen Lichts die Zeit der Geister vorbei ist.

Weiterlesen: Von Jerusalem’s Lot/Maine nach Boulder/Colorado

Die psychodelische Ideologie (Teil 2)

(Erstveröffentlichung: SFT 134/1974)

4. You can't keep a good man down

„Die Hippy-Bewegung, der psychedelische Stil bedeuten eine Revolution in unseren Vorstellungen von Kunst und dem Schöpferischen, die sich direkt vor unseren Augen abspielt. Die neue Musik, die neue Dichtung, die neue visuelle Kunst, der neue Film.“ (46) ,,In fünfzehn Jahren werden die klugen Kinder, die sich jetzt anturnen, die öffentliche Meinung gestalten, unsere Romane schreiben, unsere Universitäten leiten und die hysterischen Gesetze, die jetzt erlassen werden, widerrufen.” (47)

Weiterlesen: Die psychodelische Ideologie (Teil 2)

Michael Moorcock - ein rastloser Arbeiter

(Erstveröffentlichung SFT 7/85)

Michael Moorcock zählt zu den wenigen europäischen Schriftstellern, deren Werke noch immer von jungen Lesern geschätzt werden - und zwar nicht nur von jenen, die der Science-Fiction-Gemeinde angehören. Daß er den Kontakt zur jungen Generation aufrechterhalten will, bleibt wohl weiterhin gültig. Allerdings gibt Moorcock deutlich zu verstehen, daß er einen breiteren Leserkreis anzusprechen beabsichtigt und vom Science-Fiction-Genre, das ihn berühmt gemacht hat, mehr und mehr abrücken möchte.

Weiterlesen: Michael Moorcock - ein rastloser Arbeiter

Gibt es eine eigenständige deutsche Science Fiction?

(Erstveröffentlichung Dezember 1983)

Lieber Leser,

als Herausgeber dieses Magazins erreicht mich fast täglich Post, zumeist sind es Briefe in der Form eines wohlwollenden Schulterklopfens (prima, weiter so!), mit dem der Käufer mir seine Zufriedenheit versichert, aber es sind auch immer kritische darunter, in denen angeregt wird, die eine oder andere Rubrik stärker auszubauen, mehr Spekulation wird gewünscht, mehr Fact-Artikel (aber auch weniger), mehr Cartoons, mehr Leserbriefe, mehr Buchbesprechungen, mehr Stories, mehr deutsche Stories immer wieder. Kürzlich riet mir ein Leser aus Genf: "Was der deutschen SF fehlt, ist ein minimales Selbstvertrauen. Viel zu viele Autoren schreiben am Fließband die ewiggleichen Geschichten, bei dem bloß der technische Dekor wechselt; andere verstecken sich hinter angelsächsischen Pseudonymen. Nur eine kleine Minderheit setzt sich für eine deutsche SF-Literatur ein. Und diese gilt es zu unterstützen und als Schwerpunkt ins HSFM einzubauen: Das heißt vor allem Novellen und Shortstories von deutschen Autoren; denn erstens fehlt ein Podium für junge Talente mit großer Streuweite und zweitens ein signifikanter Gradmesser für Tendenzen in der SF-Literatur im deutschen Sprachraum."

Weiterlesen: Gibt es eine eigenständige deutsche Science Fiction?

Anmerkungen zur Science Fiction-Kunst

DIE BILDER DES WISSENSCHAFTLICH-PHANTASTISCHEN REALISMUS

(Erstveröffentlichung SFT 6/85)

SCIENCE-FICTION-KUNST: ZUM ALSBALDIGEN VERBRAUCH BESTIMMT?

Richtige Kunst - das weiß jeder - erkennt man daran, daß sie im Museum hängt und für die Ewigkeit gemacht ist. Sie soll dem Betrachter nicht nur hier und heute etwas sagen, sondern möglichst auch noch in ein paar hundert Jahren. Die Illustrationen zur Science Fiction dagegen wirken in der Regel bereits nach wenigen Jahren überholt und veraltet, im schlimmsten Falle lächerlich. Sind sie also gar keine Kunstwerke?

Weiterlesen: Anmerkungen zur Science Fiction-Kunst