Sex Wars - Zur Erotik der STARWARS-Trilogie

Erstveröffentlichung in SFT 12/85
Wer sich nach dem Genuß der STAR WARS-Trilogie von den erstklassigen Trickaufnahmen und der drittklassigen Handlung erholt hat und anschließend geneigt ist, noch ein wenig über diese Filme nachzusinnen, dem wird möglicherweise bewußt werden, daß George Lucas der erotischen Entwicklung des Universums praktisch keinerlei Beachtung geschenkt hat. Bevor man nun jedoch vorschnell vermutet, Lucas habe dieses Thema schamhaft verschwiegen oder gar schlichtweg vergessen, sollte man zunächst prüfen, ob man selbst nicht vielleicht nur zu unflexibel und konservativ war, um sogleich zu entdecken, daß Lucas' Universum keineswegs so unerotisch ist, wie es zunächst erscheint.


Gewiß, in allen drei Fällen kommt nur eine einzige Frau vor (mal abgesehen von Luke Skywalkers Tante, die aber eigentlich nur eingeführt wird, um alsbald umgebracht zu werden), aber wird denn tatsächlich außer der Prinzessin Leia noch eine weitere Frau benötigt? Oder anders formuliert: Kommt denn mehr als ein Mann in diesen Filmen vor? Offenbar nicht, wie eine genauere Analyse zeigt.
Beispielsweise scheint Luke Skywalker auf den ersten Blick ein Mann zu sein - doch in Wirklichkeit ist er ein angehender Jedi-Ritter, und die benötigen weder zur Fortpflanzung noch zu anderen Zwecken eine Frau, wie sich leicht nachweisen läßt. Zwar mag man bei dem frauenlos lebenden Jedi-Lehrer Yoda noch anführen, daß ein älterer Herr, der bereits mehr als 900 Jahre auf dem Buckel hat, wohl kaum noch besonderes Interesse für die Damenwelt aufbringen wird, zumal er ohnehin Schwierigkeiten haben dürfte, eine größenmäßig zu ihm passende Partnerin zu finden, aber auch der noch sehr rüstige Ben Kenobi lebt unbeweibt und beschäftigt sich lieber mit der MACHT als mit Mädchen. Lediglich Darth Vader fällt scheinbar etwas aus dem Rahmen, denn er hat immerhin zwei Kinder, Luke und Leia, die auf zwei weit voneinander entfernten Planeten aufwachsen, was die Vermutung nahelegt, Vader habe zumindest in jungen Jahren einem recht unsteten Lebenswandel gefrönt, was auch sein beständiges, lüsternes Röcheln erklären könnte. Doch letzteres ist mitnichten Leidenschaft, sondern eine interstellare Form des Asthmas, und auch gegen eine herkömmliche Zeugung seiner Kinder sprechen gewichtige Fakten. So ist Leia eine Prinzessin, was frau gemäß den strengen monarchischen Gebräuchen zufolge nur werden kann, indem sie als Tochter eines Königs geboren wird - und Darth Vader kann man nun alles mögliche nachsagen, aber ein König ist er nicht. Ähnlich verhält es sich mit Luke. Der ist zwar kein Prinz, aber immerhin mutterlos geboren, wie mehrere Zeugen bestätigen, die zwar seinen Vater kannten, eine Mutter aber nie bemerkt haben.
Aus all dem läßt sich schließen, daß Jedi-Ritter sich auf eine nicht näher bekannte, mit Sicherheit aber frauenlose Weise fortzupflanzen vermögen (wobei die Frage offen bleibt, ob die Töchter von Jedis immer Prinzessinnen sind oder nur unter bestimmten Umständen.
Natürlich soll damit keineswegs behauptet werden, Jedi-Ritter seien asexuell. Sie stehen durchaus zu ihrer Sexualität, allerdings in einer subtilen, symbolhaften Form, wie man das von den Mitgliedern eines so durchgeistigten Ordens wohl auch erwarten kann. Oder gäbe es einen anderen denn symbolischen Grund, mit Laser-Schwertern in einer Welt herumzulaufen, in der es von (wesentlich effektiveren) Handfeuerwaffen nur so wimmelt?! Und welche Symbolkraft ein Schwert besitzt, haben spätestens seit Conan diverse Rezensenten/Analytiker immer und immer wieder beschrieben. Während Conans stählernes Schwert jedoch auf Priapismus hindeutet, sind die bei Bedarf ausfahrbaren Lichtklingen der Jedi erheblich naturnäher und werden in der Regel nur vorgezeigt, um besondere Aggressivität anzudeuten - ein Phänomen, das schon Desmond Morris in ähnlichem Zusammenhang (es ging dabei um Affen) beschrieben hat. Ein weiterer Hinweis auf die Symbolik der Schwerter findet sich beim Zweikampf zwischen Darth Vader und seinem Sohn Luke. Seit Freud wissen wir schließlich um die Kastrationsängste, die Jungen ihren Vätern gegenüber empfinden, und so kann es kaum ein Zufall sein, daß Vader seinem Sohn ausgerechet die Hand samt Schwert abschlägt: eine Kastration des Symbols gewissermaßen.
Es bleibt die Frage, wer denn nun der Mann ist, den die Prinzessin, getreu den Gesetzen Hollywoods, zum Happy-End kriegen muß. Natürlich kann es sich dabei nur um Han Solo handeln, dessen Name ja schon besagt, daß er der einzige Hahn auf dem Hof ist. Noch deutlicher wird seine Virilität allerdings durch den Umstand, daß er sich ständig in Begleitung eines Wesens befindet, das äffisch aussieht, vollständig behaart ist, stets unbekleidet herumläuft und der Sprache nicht mächtig ist, dessen Regungen jedoch Han Solo ohne Schwierigkeiten versteht. Kein Zweifel, bei Chewbacca handelt es sich um das Tier im Manne, wie es schon in dem Film LA BELLE ET LA BETE ganz ähnlich dargestellt wurde.
Einen weiteren Hinweis auf Solos Virilität bietet die bestechende Symbolik im zweiten Teil der Trilogie. Dort macht sich Solo ganz unverhohlen an die Prinzessin heran, und zwar offensichtlich mit Erfolg, wie jeder bestätigen wird, der sich mit den Reaktionen von Filmfrauen auskennt. Da die beiden aber erst beim Happy-End am Schluß des dritten Teils zusammenkommen dürfen, Solo aber andererseits derart drängelt, daß kein Zuschauer glauben könnte, er würde noch so lange friedlich warten, bedarf er einer Abkühlung. Und genau das geschieht ja auch. Warum sonst sollte er auch eingefroren werden, wo es doch vollauf genügt hätte, ihn gefesselt dem Wackelpudding Jabba zu überlassen.
Doch nicht nur der menschliche Teil des STAR WARS-Universums ist erotisiert. Da gibt es etwa den menschenähnlichen Roboter C-3PO, der zwar stets guten Willens, zumeist aber echt unfähig ist, streng auf Etikette achtet, bei Gefahr jedoch in Hysterie verfällt. Kurzum: die Karikatur eines "richtigen" Mannes, was auch nicht weiter verwunderlich ist, fehlt ihm doch an gewisser Stelle ein wesentliches Attribut. Glücklicherweise läuft dieses Attribut jedoch meist neben ihm her (ganz ähnlich wie Chewbacca neben Han Solo) und gemeinsam meistern die beiden natürlich auch die schwierigsten Situationen. Dieser R2-D2 ist ein wahres Meisterstück filmischer Symbolik. Nicht nur seine äußere Form ist recht eindeutig, er bewegt sich auch stets in einer bestimmten Schräghaltung, was zwar technisch idiotisch, anatomisch hingegen völlig korrekt ist. In bedrohlichen Situationen neigt er dazu, einfach umzukippen, was wiederum (da er auf drei Füßen steht) technisch kaum möglich, in biologischer Hinsicht allerdings durchaus einleuchtend ist. Unter diesen Umständen bedarf es kaum noch besonderer Erwähnung, daß seine Lieblingsbeschäftigung darin besteht, sich in Computeröffnungen einzustöpseln, wo immer er welche findet.
Interessant sind auch die Abenteuer der beiden, die sie erleben, als sie im zweiten Teil vorübergehend getrennt werden. C-3PO ergeht es besonders schlimm: er wird in seine Einzelteile zerlegt. Rettung bringt ausgerechnet Chewbacca! Aber auch R2-D2 hat wenig zu lachen. Erst wird er von einem Monster angeknabbert, landet dann im Schlamm und wird schließlich nicht einmal in Yodas Hütte gelassen - was sollte er auch bei Jedi-Rittern. Luke selbst hat auch so recht keine Verwendung für ihn, außer natürlich, wenn er mit seinem Jagdraumer in den Kampf zieht: da reicht dann das Laser-Schwert nicht mehr und ein stärkeres Symbol männlicher Aggressivität wird benötigt.
Aggressivität, Wachsamkeit und sichere Instinkte benötigt auch Han Solo in seiner schicksalhaften Rolle als einziger (zukünftiger) Ehemann innerhalb der Trilogie. An Hinweisen und Warnungen fehlt es nicht, doch zeigt sich hier, daß er mit seinen männlichen Gegnern zwar recht mühelos fertig wird, dem weiblichen Prinzip aller Virilität zum Trotz allerdings bestenfalls entkommen, jedoch nicht Herr werden kann.
Im zweiten Teil flüchtet er mitsamt Raumschiff in eine geheimnisvolle Höhle, die sich bei näherer Betrachtung als organisch erweist. Bei der überstürzten Flucht aus dieser Vagina zeigt sie ihre Zähne - ein aus der Psychoanalyse weidlich bekanntes Bild. Und nur um ein Bild kann es sich hier handeln, denn wovon sollte ein derart gewaltiges Monster (als das es vordergründig erscheint) schon existieren, so ganz allein auf einem winzigen Planetoiden inmitten des luftleeren Alls.
Für den Fall, daß Solo (oder die Zuschauer) die Symbolik dieses Wesens nicht erkannt haben sollten, wird dem Helden im dritten Teil ein ähnliches Erlebnis zugemutet, diesmal als eindeutig geformter, wenn auch nicht näher erklärter Schlund im Erdboden, in den Jabba die Hütte Solo und seine Getreuen hinabschleudern will. Und falls der eine oder andere Zuschauer bei diesem Bild nicht an den Schoß von Mutter Erde denkt, haben die Modellbauer die Öffnung dankenswerterweise mit Schamhaaren versehen, was die Interpretation zugegebenermaßen enorm erleichtert.
Trotz all dieser Warnungen kriegt die Prinzessin natürlich am Ende ihren Hahn - ein amerikanisches Schicksal halt. Und welche Richtung die Geschichte nun nehmen wird, machen die überall im Schlußbild herumwuselnden Teddybären deutlich. Nur zwei haben gut lachen: Darth Vader und Obi-wan Kenobi. Sie sind schließlich schon im Jenseits und damit außer Reichweite des amerikanischen Matriarchats.