PILOTEN DURCH ZEIT UND RAUM

(Ursprünglich veröffentlicht in SFT 1/84)

Ronald M. Hahn (Hrsg.)
PILOTEN DURCH ZEIT UND RAUM
Reutlingen 1983, Ensslin & Laiblin/ NovaSF
Verschiedene Übersetzer 
 

Ronald Hahn, der schon verschiedentlich Science Fiction für Jugendliche vorgelegt hat, präsentiert hier zehn Stories internationaler und bundesdeutscher Autoren zum Thema Weltraumfahrt.

Die meisten Beiträge sind älteren Datums und haben sich nicht nur zu ihrer Zeit, sondern auch in späteren Sammlungen bewährt. Neben der Exotik und Abenteuerlichkeit haftet allen Texten auch Kritisches und teilweise Tragisches an. 

In A. E. van Vogts „Das verzauberte Dorf‘ muß sich ein Mensch gegen seinen Willen einer fremden Umgebung anpassen. Die Männer sind in J. Whites „Die Lichter des Alls“ für die Weltraumfahrt untauglich, solange sie nicht von Frauen geführt und bemuttert werden. „90 Milliarden km von der Sonne entfernt“ (A. Czechowski) erweist sich der Weltraum als bedrohlich und tückisch, als lebensfeindlich für die Menschen. „Sternenstaub“ (Ch. Oliver) sind die mutierten Passagiere eines seit langem antriebslosen Generationenraumschiffs. Der Herausgeber selbst steuert „Auf unbekanntem Stern“ hinzu, wo die kriegführende Erde eine wiederentdeckte Kolonie zur Behebung ihres Rekrutenmangels auflöst.

Vier Beiträge beschäftigen sich schließlich mit den Auswirkungen der Raumfahrt auf die Piloten. J. Cox berichtet humoristisch in „Ruhm“, wie es dazu kommt, daß dem ersten Interstellarreisenden bei seiner Rückkehr zur Erde nur ein mäßiger Empfang bereitet wird. E. Hamilton erzählt in „Wie ist es da oben“ von den Schwierigkeiten eines Rückkehrers aus dem All, mit der Bewunderung seiner Mitmenschen fertigzuwerden und gleichzeitig sein Wissen um die Wahrheit auf höhere Anweisung für sich behalten zu müssen. Weiter noch geht K. M. Armers „Mit bei den Beinen fest auf der Erde“, wo ein ehemals gefeierter Raumpilot nicht mehr in Gesellschaft und Realität zurückfindet. Uwe Anton schildert in „Das Große, Kleine Schiff‘ die Abenteuer zweier Jungen in einem Raumschiff, während in J.G. Ballards „13 unterwegs zum Centauri“ der Raumflug nur simuliert ist. Die Zusammenstellung dieser Anthologie befriedigt als Lektüre und als Einführung in das Besondere und die Möglichkeiten der SF. Indem sie gleichzeitig dem naiven und unkritischen Glamour der Kindertage des Genres eine Absage erteilt und auf die Probleme vor, während und nach dem Schritt ins All hinweist, regt sie (nicht nur) das jugendliche Publikum zu kritischer Auseinandersetzung an.

Marcel Bieger