GEMINI – ZUKUNFTSGESCHICHTEN ÜBER DIE LIEBE

(Ursprünglich veröffentlicht in SFT 6/84)

René Oth (Hrsg.)
GEMINI – ZUKUNFTSGESCHICHTEN ÜBER DIE LIEBE
Darmstadt/Neuwied 1983, Luchterhand
Deutsch von Martin Eisele u.a

René Oths Anthologie mit "Zukunftsgeschichten über die Liebe" ist nicht die erste dieser Art (man denke an Landfinder (i. e. Jürgen vom Scheidt) bei Bärmeyer/ Nikel, Kubiak bei Bastei, Le Blanc und Parry/Subotsky bei Goldmann) und wird auch nicht die letzte sein.

Doch schon Oths Auswahlbibliographie am Ende des Buches zeigt mit knappen elf Titeln, wie selten die Darstellung der Sexualität in der SF gepflegt wird. Isaac Asimov (mit seiner für dieses Thema wohl unumgänglichen Story "Was man so Liebe nennt", einer schwachen Satire auf eine witzigere Playboy-Satire, vertreten) hat recht mit der Behauptung, die SF sei lange Jahre so puritanisch wie kaum eine andere Literaturgattung gewesen.

Oth jedoch schöpft diesen schmalen Fundus nur sehr unzureichend aus und scheint sich auf eine Art Mechanik konzentriert zu haben: Pierre Boulles Geschichte über den Sex bei Schwerelosigkeit, Winston K. Marks Reduzierung des menschlichen Gefühllebens auf eine "Seuche" oder Philip José Farmers Hypothese vom sexbesessenen Computer klopfen höchst trocken höchst irdische Möglichkeiten ab. Tanith Lee reduziert Liebesempfindungen auf ungeborene Zwillinge, Robert F. Young wagt ein wenig fremdplanetare Exotik, und Nicholas V. Yermakov rollt ein modernes Schneewittchen-Spiel ab. Übrig bleibt Richard Wilson mit seiner beinharten Post-Doomsday-Story "Nach dem Tag X", die aber eh schon allzu bekannt ist und auch nicht so recht ins Thema passen will. So schmal der Fundus der "erotischen" SF ist - Oth hat ihn nur angekratzt, läßt zu viel vermissen (Probleme mit außerirdischen Intelligenzen etwa), auf das er - wenn überhaupt - nur im Vorwort hinweist. Somit bleibt er mit dieser Anthologie doch nur eine spärliche Ergänzung zu den oben erwähnten Titeln von Thomas Landfinder oder Michael Kubiak.

Uwe Anton