DIE SECHZIGER JAHRE I

(Ursprünglich veröffentlicht in SFT 6/84)

H. J. Alpers/W. Fuchs
DIE SECHZIGER JAHRE I
Band 5 der Science Fiction Anthologie
Köln 1983, Hohenheim Verlag
Deutsch von Kiesow, Körber, Nagel, Tegtmeier, Hundertmarck, Walter

Die Jahre von 1960 bis 1964 sind Thema dieses fünften Bandes der bei Hohenheim erscheinenden SF-Anthologie. So inhomogen, wie sich die SF dieser Jahre darstellte, sind auch die Themen, die in den zehn Geschichten dieses Bandes vorgestellt werden.


Es geht um soziologische und psychologische Probleme, religiöse Themen, Raumfahrt und Cyborgs. Trotz aller thematischen Unterschiede haben die Stories jedoch eins gemeinsam: sie sind brillant geschrieben und haben in den rund zwanzig Jahren seit ihrem ersten Erscheinen nichts von ihrem Reiz verloren.

Eine weitere Gemeinsamkeit der Stories besteht darin, daß alle Autoren (abgesehen von Frank Herberts "Gedankenfeld") der psychologischen Komponente breiten Raum gewähren, selbst dann, wenn das Thema der hard science entlehnt ist, wie etwa bei Damon Knights "Der Operateur", John Wyndhams "Leerer Weltraum" oder Anne McCaffreys "Das singende Schiff“. Von vornherein soziologisch orientiert sind John Brunners "Die absolut Reichen", die inhaltlich nicht weit davon entfernte Geschichte "Das Friedhofsherz" von Roger Zelazny und R. Faraday Nelsons "Schaltet den Himmel ab", eine Story, die so starke Anklänge an die Subkultur der Jahre '68 bis '72 hat, daß man kaum glauben mag, daß sie bereits 1963 erschien.

Die restlichen drei Geschichten dieses Bandes sind, jede auf ihre Art, ebenfalls bemerkenswert. J. G. Ballards "Endstation Strand" beweist, daß der Autor schon new wave geschrieben hat. als es diesen Begriff innerhalb der SF noch gar nicht gab. Harry Harrisons "Die Straßen von Askalon" berichtet in flappsiger Sprache und mit einem gewissen süffisanten Unterton, wie es einem Missionar ergehen kann, der die christliche Heilslehre bei streng logisch denkenden Aliens verbreiten will. "Die Mondmotte" von Jack Vance schließlich dürfte bereits jedem bekannt sein, der sich etwas intensiver mit SF beschäftigt. Wenn diese Geschichte trotz ihrer 17 Verbreitung hier Eingang fand, dann zweifellos deshalb , weil es tatsächlich keine andere gibt, die alle Vorzüge des Autors so klar zum Vorschein bringt.
Harald Pusch