PELLS STERN

(Erstveröffentlichung: SFT 4/84)

C. J. Cherryh
PELLS STERN
(Downbelow Station)
München 1984, Heyne TB 06/4038 Deutsch von Themas Schichtel 

Um die Mitte des 24. Jahrhunderts werden die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Flotte der Erde und der Union der Siedlerwelten in die neutralen Bereiche der Weltraumstationen und Kauffahrerschiffe hineingetragen.

Der erste Band der neuen CherryhTrilogie schildert den Kampf der Downbelow Station um ihre Unabhängigkeit. Abwechselnd gerät diese Station in die Hände der Erdflotte, der Union und von Verrätern aus den eigenen Reihen. Dazu kommen noch Spannungen innerhalb der diversen Machtblöcke und Interessengruppen, die beispielsweise zur Abspaltung der Flotte von der Erdkompanie und wiederum eines Raumschiffs von der Flotte führen. Neben diesen breit ausgeführten Winkelzügen der militärischen Strategen wirft die Autorin auch noch einige Seitenblicke auf Probleme mehr privater Natur wie Mutterschaftsgelüste, Vater-Sohn-Konflikte, Identitätskrisen eines geklonten Agenten u. ä. Und als ob dies nicht genügte, um einen Roman mit konfliktgeladener Spannung und herzzerreißender Tragik zu füllen, erhält der Leser auch noch einen Einblick in die gefühlsträchtige Lebensweise der liebenswerten, großäugigen Ureinwohner von Downbelow. 

Was sich C.J. Cherryh in diesem langen Roman vorgenommen hat, ist durchaus beachtlich, wenn auch das Ergebnis enttäuscht. Sie versucht, Mentalität und Vergehensweise der verschiedenen Gruppierungen anhand von etwa einem Dutzend ausgewählter Personen darzustellen und dabei noch die komplexe soziale Struktur einer gigantisehen Weltraumstation in die Handlung einzubeziehen. Der monumentale Hintergrund macht ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen den Schauplätzen und Handlungsträgern notwendig, was anfangs eher den Leser verwirrt, da ein großer Teil des Romans vergeht, bevor man mit den Ereignissen und Personen vertraut ist. Trotz aller Bemühung der Autorin um eine individuelle Zeichnung der Figuren, bleiben diese im Klischeehaften stecken. Fast noch wichtiger als die Darstellung der Menschen und Außerirdischen ist der militärische Aspekt des Geschehens, wobei es dem Leser leicht möglich ist, Parallelen zur Gegenwart herzustellen. Cherryh bewahrt zwar eine kritische Distanz gegenüber den machthungrigen Ambitionen der kriegführenden Blöcke ihre Sympathie liegt eindeutig auf seiten der neutralen Stationen und Kauffahrer –, aber ihre Bewunderung militärischer Effizienz und rauhbeiniger Disziplin sind an der Figur des Flottenkapitäns Signy Mallory und ihres Raumschiffs „Norway“ deutlich ablesbar. So hinterläßt der Roman den Eindruck, als hätte man eine lange Folge von Star Trek vor sich, ohne Protagonisten von der überlebensgroßen Statur der Fernseh-Helden anzutreffen.

Selbst auf die Gefahr hin, schulmeisterlich zu wirken, sollte ein Hinweis auf die sprachlichen Qualitäten des Romans gestattet sein. Weitgehend herrscht ein überfrachteter, asyndetischer Stil vor, der es oft schwer macht, sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Sätze beginnen irgendwo, erfahren eine Reihe von Einschüben und Fortführungen und verlieren nicht selten unterwegs ihren grammatischen und inhaltlichen Zusammenhalt. Durch fehlende Konjunktionen und Subjekte entsteht einerseits der Eindruck einer gehetzten Kurzatmigkcit, andererseits zeigt sich eine oft redundante Informationsdichte und Geschwätzigkeit, was einen Roman von 570 Seiten nicht gerade zu einem ungetrübten Lesevergnügen werden läßt. Zu allem Überfluß ist das Buch noch gespickt mit einer Fülle von grammatischen Fehlern, die nicht unbedingt der Autorin angelastet, aber leicht hätten vermieden werden können. Zwei Beispiele sollen genügen: „ Ich hätte Ihnen die Haut abgezogen, wenn Sie vor Edgers Bastarden zurückgewichen werden“ (S. 512), oder S. 520: „Eine Rippe war geschient und ein großer Teil des Blutes in ihm geborgt, aber es war dazu in der Lage, einen Bildschirm zu betrachten und zusammenhängend zu fluchen“. Wahrlich eine zirkusreife Leistung des „geborgten“ Blutes. 

Ludwig Rief