Krieg der Sterne

Erstveröffentlichung: SFT 144/1978

KRIEG DER STERNE (STAR WARS) P:Gary Kurtz. R: George Lucas. D: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guiness. Panavision/ Technicolor. 121 Minuten. USA 1977

Nun ist er auch bei uns das Ereignis des Jahres, der Film , der in den meisten anderen Ländern schon das Ereignis des letzten Jahres war. Der Film, der alle Grenzen sprengt, vom finanziellen Einspielergebnis her betrachtet und, wie man hört, auch von der Faszination her, die von ihm ausgeht. Das absolute Leinwandspektakel: STAR WARS - KRIEG DER STERNE. Euer drolliger Rezensent hatte das zweifelhafte Vergnügen, schon im letzten September anläßlich eines Cons in Metz/Frankreich von diesem Film „der mehr von den Brüdern Grimm in sich hat als von 2001", fasziniert zu sein. Bei diesem Film kommt es nicht darauf an, was man sieht, sondern wie man es sieht. Trotzdem will ich euch mit dem Plot langweilen:

Es war einmal in einer weit entfernten Galaxis… Seit mehreren Jahrzehnten werden die Geschicke des Galaktischen Reiches von harter Hand geleitet. Eine absolutistische Regierung knechtet die Sterne. Es gibt aber auch Rebellen, die sich nicht alles gefallen lassen wollen und gegen die Reichsregierung einen Partisanenkampf führen. Die Rebellenprinzessin Lela (Carrie Fisher) - hätte ich mir knackiger vorgestellt! - wird von dem Anführer der Imperialen, Darth Vader (Mischung aus DOCTOR DOOM und einem Waffen-SS-Panzergeneral – würde er aber die Maske abnehmen, so käme bestimmt Lenin oder so einer zum Vorschein …) gefangen und auf dem Todesstern, einem Riesenraumschiff, von dem sich die Perry-Rhodan-Autoren noch eine Scheibe abschneiden können, festgesetzt. Vorher kann die holde Maid aber schnell noch ihren Roboter R2-D2 mit den Koordinaten des Raumschiffes auf den Weg schicken, Letzterer schlägt sich mit seinem Kollegen C3PO bis zum Planeten Tatooine durch, wo sie einem gewissen Owen Lars zufallen. Dieser Lars hat einen Neffen, Luke Skywalker (hätte damals unheimlich gut in die Fernsehserie FLIPPER gepaßt), der Sohn eines geheimbündlerischen Ritters ist, der früher im Kampf gegen die Regierung sein Leben ließ. Es gibt einige Verwicklungen auf Tatooine, bis schließlich der kleine Roboter R2-D2 den Hilferuf seiner Herrin dem staunenden Skywalker und dessen Retter Ben Kenobi (weiser alter Herr und selbst einst rechter Ritter) präsentiert - im Holographverfahren, versteht sich.

 

 

 

 

 

Man beschließt, der Armen zu helfen und findet in Han Solo, einem zwiespältigen Raumerkapitän (er ist nur aufs Geld aus, soll wohl die Personifizierung von Lucas selbst sein) und Chewbacca (einem Wookie, der bei uns Kautabak heißen dürfte) Mitstreiter. Im "1ahrtausendfalke" fliegt man den Todesstern an, um die Prinzessin zu befreien. Einmal im Inneren des Riesenraumschiffes, geht der Kleinkrieg gegen Roboter, Androidenherden und allerlei sonderbares Getier los. Ben Kenobi trifft auf seinen alten Rivalen Darth Vader, der damals auch zu den Rittern gehörte, aber Lukes Vater tötete und als Renegat schmählich zum Feind überlief. Es kommt zum Kampf mit Laserdegen, bei dem Kenobi sein Leben läßt, Die anderen aber entkommen und schlagen sich nach dem Planeten Alderaan durch, wo sie Leia abliefert. Dort wird die Rebellenflotte aus Einmannjägern mobilisiert und gegen den Todesstern ins Gefecht geführt, das nahezu aussichtslos erscheint. Der Todesstern hat nur eine verwundbare Stelle, und die gilt es mit Neutronentorpedos zu treffen. Mit Hilfe der "Kraft" gelingt Luke Skywalker dieses Unterfangen. Er muß nur seinen Verstand abschalten und die lntuition spielen lassen, dann wird er von den Altvorderen oder deren Geistern erleuchtet. Das Riesenraumschiff explodiert, Darth Vader entkommt und sichert so die Fortsetzung.

Bei der schlußendlichen Siegesfeier qualmen die Socken, und eurem drolligen Rezensenten wäre übel geworden, wenn er neben sich nicht einen schnuckeligen Teenie gehabt hätte. Denn penetrant deutlich macht Lucas Anleihen bei Leni Riefenstahls Nazi-Parteitagsfilm TRIUMPH DES WILLENS.

Tja, damit ist noch nichts zu den tollen Spezialverfahren gesagt, die dem Film die Würze geben. Die wollen wir der Fairness halber auch nicht verschweigen: Nie habe ich so tolle Explosionen gesehen, ehrlich; der Übergang der "Jahrtausendfalke" in den Hyperraum Ist geradezu atemberaubend; die außerirdischen Intelligenzen könnten echter nicht wirken; Lukes Gleiter bleibt auch wirklich und wahrhaftig in der Luft stehen - weil man Ihm die Räder weggespiegelt hat -, wenn man ihn parkt; das Schachspiel mit den kleinen, lebendigen Monstren als Spielfiguren ist unglaublich. Das wird es wohl sein, was die Leute an diesem Film so fasziniert. Oder sind es die Laserduelle wie in Howard-Hawks-Western die Coltschwinger? Oder die Raumschlacht am Schluß, die auch mit Howard Hawks zu tun hat, denn Lucas schnitt die Szenen aus 44 Kriegsfilmen, hauptsächlich Luftkämpfen Hawksscher Machart zusammen und transferierte sie auf die SF-Ebene.

KRIEG DER STERNE ist eine Kolportagearbeit. R2-D2 hat seine Vorgänger in Douglas Trumbulls SF-Film SILENT RUNNlNG, der andere Roboter tauchte schon in METROPOLIS auf (der erinnert in seiner Sprechweise übrigens an Eddi Arent in Edgar-Wallace-Verfilmungen). die Wesen auf Tatooine sind stark von DUNE beeinflußt. Und es gibt noch ein Dutzend Belspiele dieser Art. Die Typen sind vielfältig, die Handlung ist banal. Für das Publikum wird ein Maximum an Identifikationspersonen an gebeten, die eingefahrenen Klischees entsprechen und Erfolg garantieren. Überhaupt scheint die dämliche Handlung vom Computer bestimmt worden zu sein.

Der Film ist bis ins kleinste Detail auf totale Profitmaximierung angelegt. Aber er sei subversiv, behauptete so ein Gimpel in Frankreich, weil Menschen gegen Menschen kämpften - und nicht Menschen gegen außerirdische Intelligenzen. Mit was sich manche Leute schon zufriedengeben. Die brutale Regierung trägt bei genauerem Hinsehen naturlieh sozialistische Züge (besonders deutlich wird das, wenn man sich das Buch auch noch reinwürgt), und die Irrationalität feiert fröhliche Urständ. So gut kommen die Allens trotz Chewbacca (der geheime Held von STAR WARS) auch nicht weg. Sie sind aggressiv und rotzfrech, so daß ihnen eine Lektion erteilt werden muß.

"So ein Quatsch", werden die Fans wieder aufheulen. "Das ist doch nur eine Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, völlig wertneutral. Irgendwie muß doch Spannung aufkommen." Nun, wer diese einfallslose Laserzischerei spannend findet, der kann einem leid tun. Mindestens 2/3 des Filmes bestehen aus aneinandergereihten Gewalthandlungen aller Art, wofür die Situation, sich gegen ein repressives System verteidigen zu müssen, naturlieh nur Verwand ist.

STAR WARS hat einen neuen SF-Boom ausgelöst. Hollywood hat die SF als zugkräftiges Genre erkannt, nachdem Thriller und Horror ausgebrannt sind. Der SF-Film kann in ein gefährliches Fahrwasser geraten. Nicht auszudenken, wenn man sich bei den Produktionen in Zukunft auf dieses Perry-Rhodan-Niveau einpendelt. Verglichen mit der SF-Literatur habe der SF-Film mit STAR WARS ungefähr das Level von E. E. Smiths LENSMEN-Romanen erreicht, schrieb Samuel R. Delany in einer Kritik. Das trifft für die formale wie für die Inhaltliche Seite zu. Rein inhaltlich gesehen, ragen aber viele SF-Filme über dieses Niveau hinaus. STAR WARS führt diese besseren Ansätze in die Zirkusarena zurück.

KRIEG DER STERNE ist ein Konglomerat aus vielen Trivialgenres. Science Fiction ist auch darunter. Plumpe Science Fiction. Rhodan-Blaster-Schudder-Schund.