Von Jerusalem’s Lot/Maine nach Boulder/Colorado

Erstellt: Samstag, 02. November 1985 Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Januar 2020 Geschrieben von Florian F. Marzin

Anmerkungen zu drei Romanen von Stephen King

(Erstveröffentlichung SFT 11/85)

Seit 1897, jenem legendären Datum, an dem Bram Stoker seinen DRACULA veröffentlichte, ist der ruhelose Vampir auf ein mittelalterliches Interieur festgeschrieben. Dabei kommt Stoker nicht das Verdienst zu, den Vampir als Topos der phantastischen Literatur erfunden zu haben, sondern das Motiv des blutsaugenden Untoten war bis zu jenem Zeitpunkt schon in vielen Variationen von Schriftstellern bearbeitet worden. Stokers Leistung unter anderem war, in Dracula alle literarischen Stränge und unterschiedlichen Überlieferungen von Vampiren zu einem konsistenten Ganzen zusammengefaßt zu haben. Damit wurde aber die Figur des transsylvanischen Grafen auf eine bestimmte Zeit und eine kodifizierte Umgebung festgelegt, aus der sie nachfolgende Autoren nicht mehr herauslösen wollten oder konnten. Gegenteilige Versuche sind zwar vorhanden, doch ist ihr Plausibilitätsverlust proportional zu der zeitlichen Nähe unserer heutigen Epoche, wie schon Bloch in TECHNIK UND GEISTERERSCHEINUNGEN darauf hinweist, daß mit der Zeit des elektrischen Lichts die Zeit der Geister vorbei ist.

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Sex Wars - Zur Erotik der STARWARS-Trilogie

Erstellt: Montag, 02. Dezember 1985 Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Januar 2020 Geschrieben von Harald Pusch

Erstveröffentlichung in SFT 12/85
Wer sich nach dem Genuß der STAR WARS-Trilogie von den erstklassigen Trickaufnahmen und der drittklassigen Handlung erholt hat und anschließend geneigt ist, noch ein wenig über diese Filme nachzusinnen, dem wird möglicherweise bewußt werden, daß George Lucas der erotischen Entwicklung des Universums praktisch keinerlei Beachtung geschenkt hat. Bevor man nun jedoch vorschnell vermutet, Lucas habe dieses Thema schamhaft verschwiegen oder gar schlichtweg vergessen, sollte man zunächst prüfen, ob man selbst nicht vielleicht nur zu unflexibel und konservativ war, um sogleich zu entdecken, daß Lucas' Universum keineswegs so unerotisch ist, wie es zunächst erscheint.

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Michael Moorcock - ein rastloser Arbeiter

Erstellt: Dienstag, 02. Juli 1985 Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Januar 2020 Geschrieben von Paul Holland

(Erstveröffentlichung SFT 7/85)

Michael Moorcock zählt zu den wenigen europäischen Schriftstellern, deren Werke noch immer von jungen Lesern geschätzt werden - und zwar nicht nur von jenen, die der Science-Fiction-Gemeinde angehören. Daß er den Kontakt zur jungen Generation aufrechterhalten will, bleibt wohl weiterhin gültig. Allerdings gibt Moorcock deutlich zu verstehen, daß er einen breiteren Leserkreis anzusprechen beabsichtigt und vom Science-Fiction-Genre, das ihn berühmt gemacht hat, mehr und mehr abrücken möchte.

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Neue Welle auf alten Pfaden

Erstellt: Montag, 08. Januar 1973 Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Januar 2020 Geschrieben von Horst Pukallus

(Erstveröffentlichung SFT 132/1973)

„Die Science Fiction indessen hat sich ein Gefängnis aufgebaut und sich selbst darin eingekerkert, weil sie nicht· begreift, daß man die Erlösung der schöpferischen Vorstellungskraft nicht in mythischen, existenzialistischen, surrealistischen Schriften finden kann - als eine neue Information über die Daseinsbedingungen. Indem sie sich vom Zustrom der wissenschaftlichen Tatsachen und Hypothesen abgesondert hat, arbeitet sie an der Errichtung der Ghettomauern, hinter denen sie jetzt ihr mitleiderregendes Dasein kümmerlich weiterfristet.“

(St. Lem, ROBOTER IN DER SCIENCE FICTION (l)

Fürchtet euch nicht, ich bin es. Und er weinte bitterlich. (Nach der Bibel)

Die Aufgabe, über die New Wave zu schreiben, ist eine undankbare. Ihre angeblichen Vertreter lassen Selbstdarstellungen stark vermissen, Sekundärliteratur existiert wenig, die Biertisch-Kapazitäten des Science-Fiction-Club Deutschland e. V. wissen darüber nichts zu vermelden. Obendrein ist der Kreis der ihr allgemein zugerechneten Autoren von der übrigen Literatur, ja von anderen Tendenzen der SF mehr als diffus abgegrenzt, so daß sich selbst unter Beachtung der Tatsache, daß hier Grenzen stets fließend sind, kaum ein Fixpunkt lokalisieren läßt. Vorläufig können wir uns also nur an die im Gespräch befindlichen Namen halten, um zu analysieren, ob sie einem Anspruch genügen, den man als Leser, Kritiker oder Autor an eine New Wave, also eine neue wesentliche Tendenz stellen soll.

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Horror-Comics und Jugendschutz

Erstellt: Dienstag, 02. Dezember 1975 Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Januar 2020 Geschrieben von Gerd Eversberg

(Erstveröffentlichung: Dezember 1975)

In den 50er und 60er Jahren ist die in Bonn-Bad Godesberg residierende Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPS) von zwei Seiten unter Beschuß genommen worden: zuerst haben sich permanent solche Mitmenschen beschwert, die sich für gute Staatsbürger hielten und deshalb glaubten, ihre eigene verklemmte Sexualität entspreche dem "gesunden Volksempfinden" der großen Mehrheit der Bevölkerung. Diesen Mitmenschen war die damalige Arbeit der BPS viel zu lasch; hätten sie zu entscheiden gehabt, hätte man vor allem Millers "Wendekreis"-Romane und Grass' "Blechtrommel" indiziert. Diese Entrüstung des "gesunden" Volksempfindens entsprach aber durchaus der Arbeit der Prüfstelle: eifrig wurde nach nackten Busen gefahndet und Hefte indiziert, die heute ein pubertierender Vierzehnjähriger keines müden Blicks mehr würdigen würde.

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