Triebwerke statt Triebleben

Erstellt: Samstag, 10. September 1983 Veröffentlicht: Mittwoch, 15. April 2020 Geschrieben von Horst Heidtmann Drucken E-Mail

Erstveröffentlichung in SFT 9/83

Über Liebe und Sexualität in der DDR-Science Fiction

Der Buchmarkt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) unterscheidet sich sowohl ökonomisch als auch politisch-ideologisch von dem der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Das wirkt sich nicht zuletzt dahingehend aus, daß bestimmte Genres oder Teilbereiche der Belletristik in der DDR fehlen, die in der BRD einen zentralen Stellenwert haben. So wird von DDR-Verlagen keine Pornographie verlegt und erotische Prosa im weiteren Sinne bleibt auf den Einzelfall beschränkt. (1)

Die Darstellung von Sexualität soll in der Literatur nicht Selbstzweck sein, sondern erscheint eingebunden in übergreifende Problemzusammenhänge. Dabei kann man die Literatur der DDR nicht als ein statisches, ein gleichbleibendes und gleichförmiges Phänomen betrachten: Insgesamt sind seit den 60er Jahren in der Literatur wie auch in den Massenmedien die "Bastionen der Prüderie" zum großen Teil überwunden worden. Die Science Fiction der DDR ist aber, zumindest bezogen auf die Darstellung von Liebe und Sexualität, erkennbar hinter der Entwicklung der Gesamtbelletristik zurückgeblieben. Wenn man die in der DDR erschienenen SF-Romane und -Erzählungen durchsieht, so drängt sich der Schluß auf, daß die Menschen der Zukunft weitgehend geschlechtslose Wesen sein müssen. Sexualität überhaupt oder gar Überlegungen zu einer Veränderung, einer Weiterentwicklung sexueller Beziehungen sind äußerst selten Gegenstand literarischer Zukunftsentwürfe. Daß zwischen Frau und Mann (oder gar zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau) Beziehungen bestehen könnten, die über gepflegte Konversation und die gemeinsame Einnahme von Nahrung hinausgehen, wird in der DDR-SF allenfalls gelegentlich angedeutet. Seit den 60er Jahren beanstanden immerhin auch vereinzelt DDR-Literaturkritiker die fehlende Beschreibung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern, obwohl auch hierzu Aussagen von Marx und Engels vorlägen. (2) Einige Rezensenten sehen mittlerweile in der "abstinent wirkenden Darstellung sexueller Beziehungen" sogar einen "Grundmangel" der SF. (3) In einer neueren Bestandsaufnahme der SF-Entwicklung stellt der DDR-Kritiker Hartmut Mechtel u.a. fest: "Das Liebesleben der Figuren ist wunderlich steif.

In der wissenschaftlichen Phantastik dominieren vorpubertäre Erotik-Auffassungen

Es besteht im wesentlichen darin, daß sich die Leute beim Baden oder Sonnen unbefangen nackt voreinander zeigen." Mechtel kommt dann zu dem Schluß: "In der wissenschaftlichen Phantastik dominieren, wenn sie auftauchen, vorpubertäre Erotik-Auffassungen."(4) Und in der Tat: Bis in die Gegenwart prägen technische Beschreibungen und abenteuerliche Verwicklungen das Gesicht der DDR-SF. Die Beschreibung von Raumschifftriebwerken ist um ein Vielfaches umfangreicher als die Darstellung des menschlichen Trieblebens. Über Jahrzehnte hinweg haben Autoren ihre Raumschiffabenteuer in gleichbleibender, schablonenhafter Weise mit Konflikten und Aktionen ergänzt, die aus dem Versagen der Triebwerke herrühren. Probleme, die sich aus dem Versagen der menschlichen Triebe ergeben, aus Triebverzicht und Triebunterdrückung, sind bis heute eine Tabuzone geblieben. Die „LibidoFreiheit“ des Weltraums wird gelegentlich sogar pseudowissenschaftlich hergeleitet:

Bei längeren Raumflügen müßten unbedingt Frauen an Bord sein, meinten die Astropsychologen, die Raumeinsamkeit sei ohne sexuelle Befriedigung nicht zu ertragen. Als die erste gemischte Mannschaft, drei Ehepaare, zu einem Halbjahresflug gestartet war, hielt man das für eine ideale Lösung, und die Experten waren äußerst überrascht, als ihnen die sechs Kosmonauten nach ihrer Rückkehr eröffneten, während der ganzen Fahrt keinerlei Libido empfunden zu haben.

Damit erklärt Wolf Weitbrecht in seinem Roman STUNDE DER CERES (1976) den Verzicht auf das Triebleben. Um die auch ohne Libido nicht immer problemlose Beziehung zwischen den Geschlechtern ganz auszusparen. gebraucht Weitbrecht noch einen weiteren „Kunstgriff“, indem er fortfährt:

Zudem stellte es sich heraus, daß die lange Schwerelosigkeit von den Frauen weit schlechter vertragen wurde als von den Männern. Das Zusammenspiel der Hormone und die Funktion der Ovarien waren recht erheblich, in einem Falle sogar irreparabel, gestört worden, so daß den Frauen Flüge über einen Monat Dauer untersagt blieben. (5)

So hat Weitbrecht gleichzeitig gerechtfertigt, daß sein Weltraumabenteuer reines Männerabenteuer bleiben kann. Die gesellschaftspolitischen Grundlagen der DDR müßten eigentlich andere Konsequenzen ergeben. Bereits 1949, nach der Gründung der DDR, wurde dort dafür Sorge getragen, daß Frauen vor dem Gesetz, wirtschaftlich und sozial gleich gestellt sind. Wenngleich die Emanzipation der Frau auch in der DDR bis heute unzureichend und mit Problemen belastet ist, so läßt sich nicht leugnen, daß die Frauen dort, in der gesellschaftlichen Realität, zumindest emanzipierter sind als Frauen in der BRD. Bei Durchsicht der DDR-SF, nicht nur der Romane und Erzählungen aus den 50er und 60er Jahren, ergibt sich ein anderes Bild, das auf Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis schließen läßt.

In den ersten SF-Werken von DDR-Autoren, Ludwig Tureks DIE GOLDENE KUGEL (1949) oder Fritz E. W. Enskats GEFANGEN AM GIPFEL DER WELT/IM NORDMEER VERSCHOLLEN (1949) tauchen Frauen überhaupt nicht oder nur am Rande auf. Auch in den Jahren darauf handeln die meisten Texte von einzelnen oder mehreren Männern, die abenteuerliche Erfindungen machen oder in die Weiten des Weltraums ziehen. Eberhard del'Antonio schickt in seinem Roman TITANUS (1959) eine reine Männerexpedition ins All, die auf dem gleichnamigen Planeten in Klassenkampfabenteuer verwickelt wird. Hubert Horstmann beschreibt in DIE STIMME DER UNENDLICHKEIT (1965) die "erste menschliche Expeditition in den Kosmos", an der nur Männer teilnehmen, die dann aktiv und kämpfend in die Klassenauseinandersetzungen auf einem fremden Planeten eingreifen.

Wir haben ein schönes Heim, was soll daraus werden?

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen; Männer bestreiten die Abenteuer, die Handlung, haben aber untereinander kaum weiter ausgeführte menschliche Beziehungen. Den Frauen kommt in diesen frühen DDR-Romanen lediglich eine ornamentale Funktion zu. In dem stark populärwissenschaftlich geprägten Forschungs- und Raumfahrtabenteuer DIE GROSSE GRENZE (1960) von Günther Krupkat reicht es gerade zur Übernahme einer heiter-skurrilen Rolle: der Held, ein russischer Gelehrter und Leitungskader, muß mehrfach neue verantwortungs- und ehrenvolle Leitungsaufgaben übernehmen; seine Frau ist das typische 'Heimchen am Herd' und jammert ständig: "Wir haben ein schönes Heim, was soll daraus werden?" In Herbert Friedrichs Roman DER DAMM GEGEN DAS EIS (1964) baut die "Jugend der Welt" als überdimensioniertes Zukunftsprojekt, unter der Leitung eines heldenhaften Ingenieurs, einen Damm durch die Behringstraße. Hier verweist der Autor immerhin darauf, daß junge Frauen gelegentlich ein "reizendes Bild" bieten. Und wenn Frauen mit auf Raumfahrt genommen .werden, dann eben an untergeordneter Stelle und um sie nett aussehen zu lassen; so beschreibt z. B. Günther Krupkat in seinem Roman DIE UNSICHTBAREN (1958) eine Raumstation mit eigener Gärtnerei: "Vom kleinen Treibhaus kam gerade, sauber und adrett gekleidet, die junge Gärtnerin der Station."

Und fast weckt sie den Geschlechtstrieb ...

Und fast weckt sie den Geschlechtstrieb, doch es bleibt bei harmlosen Späßchen und einem "kameradschaftlichen Klaps auf das Hinterteil": "Kichernd verschwand sie wieder in ihr blühendes Reich, das den Bewohnern der Weltrauminsel (... ) täglich das herrlichste Obst und frischesteS Gemüse auf die Tafel lieferte."(S. 9). Neben der Figur der subalternen Frau, der Köchin oder der Sekretärin des Raumschiffs, die sich für die Männer "hübsch" macht, aber auf Weiterungen verzichtet, gibt es in den frühen Büchern noch die "mondänen" Frauen, mit denen kapitalistische Bars gefüllt sind, die zumindest ein erotisches Versprechen andeuten. In H. L. Fahlbergs "utopischen Kriminalromanen", EIN STERN VERRÄT DEN TÄTER (1955) und BETATOM (1957), findet man in amerikanischen Restaurants gar den "dezenten Hauch schöner Frauen".

Die nach 1945 in der DDR entstehende Science Fiction unterscheidet sich durch veränderte ideologische Vorzeichen von den deutschen "Zukunftsromanen" der 20er bis 40er Jahre. Inhaltlich und formal führen Fahlberg und die meisten seiner Kollegen die Traditionslinie des von Jules Verne geprägten technischen Zukunftsabenteuers fort, zeigen sich dem Vorbild der populären Vorkriegsautoren, wie Hans Dominik und Rudolf Heinrich Daumann, verpflichtet, insbesondere was das Frauenbild und die Beziehung zwischen den Geschlechtern betrifft. Wie in Dominiks nationalistischen, chauvinistischen "Zukunftsromanen" gewinnen auch die Techniker-, Ingenieur- und Wissenschaftlerhelden vieler DDR-Romane am Ende der Geschichte eine Mitarbeiterin, Kollegin, Sekretärin oder ein vergleichbar treusorgendes Mädel zur Ehefrau.

Mit den Versatzstücken bürgerlicher Trivialliteratur operieren DDR-Erzähler noch in der Gegenwart und gehen dabei wohl von der Annahme aus, daß den Leser ein doppeltes happy end auch doppelt glücklich machen müsse. So gibt es neben dem Erfolg bei der Raumfahrt, der Erfindung oder dem Klassenkampf auch den 'Erfolg in der Liebe'. Im Gegensatz zur Erfindung oder Entdeckung, die stets kapitellang beschrieben und hergeleitet werden, stellt sich der Erfolg in der Liebe eher zufällig sein, hat manchmal mit der übrigen Handlung nichts zu tun. In der Hefterzählung "Havarie" (1972) von Gottfried Kolditz geht es um Übungen an einem Raumflugsimulator in einer Kosmonautenschule. Dem Autor gelingt es, psychologische Spannung zu entwickeln, den Figuren individuelle Züge zu geben, doch total beziehungslos zur eigentlichen Geschichte setzt er dem Anfang und Ende der Handlung eine klischeehafte Liebesgeschichte auf.

Verklärte Weichheit im Auge

Die Orientierung an der bürgerlichen Trivialliteratur, gerade bei der Beschreibung von Liebesbeziehungen, erstreckt sich auch auf die Übernahme einschlägiger Sprachschablonen. In Eberhard del‘Antonios Roman G 1- G ANTUM (1957) gesteht einer der Forscherhelden seiner tüchtigen Erfinderkollegin "Fräulein Doktor Lydia Schwigtenberg" seine Liebe: "In Lydias Augen lag plötzlich jene verklärte Weichheit, die nur Frauen eigen ist." (S. 207)

In den 50er Jahren hat die DDR-SF noch einen weiteren Frauentypus hervorgebracht, der vergleichsweise stark erotisch besetzt war. mittlerweile aber verschwunden ist, den der gewissenlosen Agentin und Verführerin.

In der gesellschaftlichen Realität der DDR stellten in den 50er Jahren Agenten und Saboteure ein durchaus ernstes politisches und wirtschaftliches Problem dar. dies findet u.a. auch in ‘utopischen Kriminalromanen' sowie in 'utopischen Produktions- und Aufbauromanen' seine Widerspiegelung. (6) In solchen Romanen setzen die westlichen Konzernführer oder Politiker bevorzugt wohlaussehende. meist dunkelhaarige Agentinnen zur Verführung von DDR-Bürgern ein.

Im ersten SF-Bestseller eines DDR-Autors, in Heinz Viewegs ULTRASYMET BLEIBT GEHEIM (1955), geht es um die Erfindung eines Universalwerkstoffes. der billiger und besser als Stahl ist. Der Held, besonnener Forscher und Professor der DDR, unterliegt dem Charme einer von westlichen Stahltrusts auf ihn angesetzten Agentin, vertraut ihr, liebt sie. Daß bei dieser Liebe auch Sexualität mit im Spiel sein könnte, wird jedoch vom Autor nicht einmal ansatzweise angedeutet. Durch diese Liebe und den daraus entstehenden Geheimnisverrat eskalieren dann die gewaltsamen Auseinandersetzungen, doch die Schlechtigkeit der Agentin läßt sich nicht verbergen und der Sieg des Sozialismus läßt sich nicht aufhalten.

Mit solchen "reizenden" Frauenspionen verbindet sich einerseits eine, allerdings dezente, erotische Ansprache des (männlichen) Lesers, andererseits dürften hier Frustrationen erzeugt werden: erotische Versprechungen bleiben uneingelöst, das Erotische ist eindeutig negativ besetzt, das (angedeutete) Einlassen auf die Sexualität wird, im Fortgang der Handlung, immer mit Strafen belegt.

In den 60er Jahren bahnen sich vorsichtig Änderungen an, literarische Differenzierungsprozesse beginnen, auch bei der Darstellung von Liebe, bei der Beschreibung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern. Erstmals resultieren aus Liebesbeziehungen und -neigungen Konflikte, die die Handlung mit prägen oder voranbringen können. Meist gelangen diese Konflikte allerdings noch nicht über den Bereich des Schablonenhaften hinaus, wie er von der, in der DDR stark kritisierten, bürgerlichen Trivialliteratur vorgezeichnet ist.

DER MANN AUS DEM ANDEREN JAHRTAUSEND (1961), Titelheld des gleichnamigen Romans von Richard Cross, ist ein Amerikaner des 20. Jahrhunderts, der nach 200 Jahren Kälteschlaf in einer sozialistischen Gesellschaft geweckt wird und mit einer Weltraumexpedition loszieht. Auf der Reise ergeben sich nun Konflikte daraus, daß eine Frau in ihren Neigungen zwischen dem 'Schläfer' und einem reiferen Wissenschaftler hin- und hergerissen wird. Der Autor verharrt jedoch in einer unerotischen, sterilen Darstellungsweise dieser Liebesbeziehungen. Eine gleichartige, maßvolle Fabelanreicherung findet sich in Günther Krupkats Roman NABOU (1968), in dem eine Frau von dem außerirdischen Biomaten Nabou angezogen wird, eigentlich aber den Helden und Ich-Erzähler liebt. Da der Biomat aber zum Romanende stirbt, steht einem happy end nichts im Wege.

Eine neue Dimension bei der Behandlung des Themas Liebe und Sexualität beginnt mit Eberhard del'Antonios Roman HEIMKEHR DER VORFAHREN (1966). Jedoch werden auch hier nur Problembereiche benannt und nicht literarisch detailliert ausgeführt. Zudem bleiben entsprechende Ausführungen del'Antonios zunächst untypisch, stehen vorläufig allein: Der Autor läßt seine Männerexpedition, die beim Planeten Titanus Klassenkampfabenteuer erlebt hat, wieder zur Erde zurückkehren. Die um das Jahr 2000 gestartete Expedition ist in 300 Jahren Erdzeit durch den 'Zeitdilatationskunstgriff' nur um 10 Jahre gealtert. So kommt es zu der recht originellen Konstellation, daß Menschen aus zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen der klassenlosen Gesellschaft aufeinandertreffen. Auf dieser Zukunftserde sind die Frauen offenkundig emanzipierter und ist Sexualität kein totales Tabu mehr. Die Raumfahrer werden nach ihrer Rückkehr jeweils von einer 'Zukunftsfrau' betreut, wobei sich z. T. problembeladene Liebesbeziehungen entwickeln.

Freiwilliges Zusammenleben statt Ehe

Diese Beziehungen sind zwar literarisch noch unsicher und nicht sehr weitgehend gestaltet, doch del'Antonio thematisiert als erster innerhalb der DDR-SF Rollenprobleme in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern: Die 'Zukunftsfrauen' machen ihren Partnern deutlich, daß sie kein Objekt sein wollen zur Befriedigung männlicher Bedürfnisse in Bett und Haushalt, sondern daß sie gleichberechtigt zusammenleben wollen. An die Stelle der in der DDR-SF normalerweise in die Zukunft verlängerten Ehe ist in dieser Antizipation ein freiwilliges Zusammenleben getreten, solange, bis die Partner einander überdrüssig sind. Insgesamt kann man festhalten, daß del'Antonio Sexualität zumindest ungezwungener andeutet als seine zeitgenössischen Schriftstellerkollegen.

Selbst spätere SF-Autoren erlauben sich nur selten den Hinweis, daß die "gutbürgerliche Ehe ad acta gelegt" worden ist. (7) Im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und kulturpolitischen Liberalisierungen in der DDR um 1970, die sich nach dem Wechsel in der Staatsführung von Ulbricht auf Honecker nachhaltiger durchsetzen, beginnt eine inhaltliche und ästhetische Entfaltung der DDR-SF. Zwar erscheinen auch weiterhin, bis in die Gegenwart, überwiegend abenteuer- und technikorientierte Texte, doch neue Schriftsteller, Nachwuchsautoren wie bekannte Literaten, erschließen dem Genre einiges von den Möglichkeiten, die auch in der sonstigen Belletristik genutzt werden. Sicherlich gibt es hoch spezifische Begrenzungen, die von den Verlagen gesetzt werden und die viele Autoren, bewußt oder unbewußt, auch verinnerlicht haben.

Neue Formen und neue Inhalte der DDR-SF bedingen sich wechselseitig. Satiren, Grotesken und Humoresken entstehen, in denen Fragen des täglichen Lebens, philosophische wie politische Probleme aufgegriffen, in parabelhaften oder direkten Darstellungen ins Genre eingebracht werden

Zu den ersten solcher, für die DDR-SF innovatorischen Texte gehört die Kurzgeschichte "Allein im Weltraum" (1966) von Günter und Johanna Braun (8). Die Autoren heben hier mit satirisch-humoristischer Überzeichnung heraus, daß das Zusammenleben von Männern und Frauen durch Liebe und Toleranz geprägt sein sollte, daß Eifersucht und besonders Rache aus Eifersucht in einer humaneren Zukunft keinen Platz mehr haben. Auch in ihren späteren, längeren Arbeiten thematisieren die Brauns Liebe und Sexualität mit Selbstverständlichkeit (aber nicht als Selbstzweck), als etwas Normales, das zum Menschen der Gegenwart wie der Zukunft gehört. In der märchenhaft-phantastischen Parabel "Der Irrtum des Großen Zauberers" (1972)(9) wird die Menschenfeindlichkeit des regierenden Zauberers besonders kraß herausgestellt durch seine Unfähigkeit zur Liebe: jeweils nur für eine Nacht holt er sich junge Frauen, die er dann anschließend töten läßt.

Witzig-grotesk beschreiben die Brauns in ihrem Roman UNHEIMLICHE ERSCHEINUNGSFORMEN AUF OMEGA XI (1974)(10) die beiden Protagonisten: Ich-Erzähler ist ein junger Raumfahrer, Merkur Erdenson, unkonventionell, zu Emotionen und zur Spontaneität neigend; seine Partnerin, Elektra Eulenn, gleichzeitig Kommandantin des Raumschiffs, ist schön und pflichtbewußt. Die unterschiedlichen Eigenschaften ergänzen sich, provozieren aber gleichzeitig Konflikte, führen auch zur Liebe (einschließlich körperlicher Liebe).

Den baldigsten Beischlaf angetragen ...

Noch unkonventioneller ist eine Liebesbeziehung, die als eher beiläufige Episode in dem Roman CONVIVA LUDIBUNDUS (1978)(11) enthalten ist: Held ist der Muschelzüchter Professor Philemon, ein neunzigjähriger, vitaler Greis, der das Bett mit einer jungen Schlagersängerin und Schauspielerin teilt, was von den Autoren spielerisch und leicht ironisch gebrochen dargeboten wird. In ähnlicher Weise, nämlich als etwas Normales, das keiner Herausstellung bedarf, findet sich Sexualität mehrfach in neueren humoresken und satirischen Texten integriert. In Wolfgang Kellners Geschichtenband DIE GROSSE RESERVE unternimmt z.B. ein Gegenwartsmensch eine dreiwöchige Ferienreise in eine tausend Jahre entfernte Zukunft, bekommt dort mit den zukünftigen Lebens- und Liebesgewohnheiten Probleme, u.a. deswegen, weil er einer Dame spontan den "baldigsten Beischlaf angetragen" hat. (12)

Liebe und Orgien

Selbst in den abenteuerbetonten SF-Titeln ist das Erotische in den 70er Jahren nicht mehr überall völlig auszusparen, wenngleich hier weiter die Tendenz besteht, Sexualität negativ zu besetzen, mehr oder minder verhüllt zu moralisieren und das Ausleben der Geschlechtlichkeit in die Nähe von Dekadenz zu rücken. Unter Verwendung von Abenteuer- und Detektivromanstrukturen beschreibt Reiner Rank in seinem Roman DIE OHNMACHT DER ALLMÄCHTIGEN (1974, wie ein irdischer Raumfahrer mit Gedächtnisverlust auf einen fremden Planeten gerät, "ein Land ungetrübten Genusses, des pausenlos anhaltenden Glücks", ohne Alter und Krankheiten, in dem alle Wünsche erfüllt werden, dessen Bewohner viel Zeit mit Liebe und Orgien verbringen.

Nicht der Genuß schafft Glück, sondern die menschliche Arbeit

Diese, vergleichsweise stark durch freie, ausgelebte Sexualität gekennzeichnete Welt muß durch die Art der Darstellung auf den Leser letztlich dekadent wirken.

Ranks Moral läuft darauf hinaus, daß nicht der Genuß Glück schafft, sondern die menschliche Arbeit, die Selbstverwirklichung des Menschen in Arbeit.

Eine noch negativere Bewertung erfährt die Sexualität in Werner Steinbergs Buch DIE AUGEN DER BLINDEN (1973): Bereits die Ausgangskonstellation des Romans ist für die DDR-SF untypisch und wird selbst von DDR-Kritikern als überzogen und unglaubwürdig gewertet: Eine Biologin fliegt mit ihrem ersten Mann, einem Computerspezialisten, und ihrem derzeitigen Mann, einem Arzt, in den Weltraum, um Klarheit über ihre Ehe und Beziehungsprobleme zu bekommen. Beide Männer wollen die Frau für sich gewinnen. In dieser Zukunftswelt sind Ehen auf fünf Jahre befristet, sie gelten als gelöst, wenn einer der Partner den Weiterbestand nicht durch seine Unterschrift bestätigt. Zum Problem der Partnerschaft, der Beziehung zwischen den Geschlechtern streut Steinberg immer wieder plakativ und abgegriffen wirkende 'Weisheiten' ein: "Es ist ihm nicht bewußt, daß auch kleine Mängel die Zuneigung über Jahre hin zersetzen können wie verdünnte Säure."(13) Da ein Ehekonflikt dieser Art für eine SF-Erzählung wohl doch zu banal bliebe, greift Steinberg auf bewährte Klischees des Weltraumreiseabenteuers zurück, läßt seine Protagonisten auf einen fremden, exotischen Planeten treffen. Und hier kann der Autor, noch untypischer für die DDR-SF, seiner Phantasie bei der detailfreudigen Beschreibung der Sexualorgane und -gewohnheiten der Außerirdischen viel Raum lassen: es handelt sich um intelligente, menschenähnliche Pelzwesen, deren Weibchen unterhalb des Brustkorbs drei Brüste haben und direkt darunter ihr Geschlechtsorgan, das wesentlich größer ist als bei den Menschen.

Sexualität erreicht nur den Status des Exotischen

Die Männchen haben ein ebenfalls überdimensioniertes Geschlechtsteil, das bei ihnen in einer Brustfalte eingebettet liegt. Die in einem hierarchischen Kastenwesen organisierte Gesellschaft der Pelzkreaturen kennt nur Sex ohne Liebe. Es kommt nun zu einer Handlungseskalation, weil der oberste Patriarch der Pelzwesen die irdische Raumfahrerin schwängern will, was nach einigen Abenteuern und einer Reihe von Zufällen jedoch vermieden werden kann. Ein doppeltes happy end schenkt der Autor dem Leser dadurch, daß sich die Heldin schließlich für den Mann entscheiden kann, der sich unterwegs in ihren Augen als der tüchtigere erwiesen hat. Sexualität erreicht in dieser, wie in einigen ähnlichen Geschichten, nur den Status des Exotischen; die Gestaltung von Liebesbeziehungen und -konflikten verbleibt auf der Ebene des Trivialliterarischen.

Beispiel für humoresken SF-Comic, aus: Schmitt, Erich: KARL GABELS SÄMTL.WELTRAUMABENTEUER, (c) by Eulenspiegel Verlag, Berlin 1980.

Trotz aller Liberalisierung, sowohl in politischer als auch in moralischer Hinsicht, sind bis zum Beginn der 80er Jahre nur einzelne SF-Texte von DDR-Schriftstellern erschienen, in denen Liebe und Sexualität wichtige Bestandteile der Handlung sind, in denen Liebe und Sexualität organisch und glaubwürdig in die Handlung eingegliedert sind, in denen gleichzeitig inhaltlich und formal-ästhetisch mit differenzierten Mitteln gearbeitet wird. Neben Arbeiten der Brauns sind in dieser Hinsicht zwei Erzählungen herausragend, die zudem virtuos genrespezifische Erzählmittel einsetzen, die also auch für die Science Fiction der DDR insgesamt als herausragende Beispiele gelten können.

1975 erschien, als erste literarische Veröffentlichung eines Mathematikers, die Erzählung "Korrektur der Vergangenheit"(14) von Klaus Wohlrabe. Die Handlung ist in einer etwa 100 Jahre entfernten Zukunft angesiedelt, in der man begonnen hat, die Gefahren und Möglichkeiten der Zeitreise zu erforschen. Neuentwickelte technische Einrichtungen ermöglichen es, daß sich Menschen der Zukunft in Menschen der Vergangenheit hineinversetzen können, wenn sich Psyche und Persönlichkeitsstruktur weitestgehend entsprechen, praktisch identisch sind. Im Zentrum der Fabel steht eine fünfköpfige Gruppe, die als Team theoretisch und mit praktischen Versuchen zur Zeitreiseproblematik forscht; der Ich-Erzähler Dieter beschreibt seine Forschungsgruppe am "Institut für Geschichte und Prognostik":

Ute und Torsten gehörten dazu. Ferner zwei Kinder, von jedem eins. (S. 198) zusammen. Wir haben zwei Kinder. Ute mochte weder Heiner noch Torsten verlieren. Und beide liebten sie auch, wie es schien. Auch Ute hatte zwei Kinder, von jedem eins. (s. 198)

Zwischen Ute und Torsten kommt es gelegentlich zu emotional geprägten Auseinandersetzungen:

Immer wenn es zu solchen Auseinandersetzungen gekommen war, ging sie kurzerhand zu Heiner. Er verstand es, sie zu besänftigen, er war der ruhigste von uns. (... ) Was er anfing, gelang. Er fing nicht viel an, doch Ute inspirierte ihn bisweilen. Anfangs litt Torsten sehr unter Utes Abschieden. Einmal, es war schon spät, kam er zu uns und sah Anne mit hilflosen Blicken an. Und Anne verstand ihn. Sie bat mich stumm, in meine Wohnung zu gehen. In dieser Nacht - in dieser Nacht mag Anne ihm Geliebte und Mutter zugleich gewesen sein. Damit will ich nicht sagen, daß wir ein ungewöhnliches Team bildeten. So oder ähnlich lief es bei vielen. "Im Team intim" - das klang einleuchtend, doch betraf es nur die Oberfläche. Nein, der explodierende Fortschritt, die hinterherhinkende Weiterbildung, mit diesem Schreckgespenst wurde man nicht anders fertig. Ein Nebeneinander von Privatsphäre und Arbeit – unmöglich! (... ) Wem die Vereinigung nicht gelang, innerhalb eines Teams, der verließ es wieder. (S. 198 f)

Wohlrabes Erzählweise ist zwar nicht frei von ästhetischen Schwächen, beachtlich bleibt jedoch, mit welcher Selbstverständlichkeit er davon ausgeht, daß sich mit einer Weiterentwicklung der Gesellschaft auch die zwischenmenschlichen Beziehungen verändern müssen. Hier liegt gleichzeitig eine Grundaussage seiner Erzählung. Die Zeitreise, d. h. das 'Hineinschlüpfen' in einen in früherer Zeit lebenden Menschen scheitert, die Protagonisten zerbrechen vor allem an den psychischen Belastungen, die durch die egoistischen und aggressiven Liebesbeziehungen ihrer 'Gastgeber' auftreten.

Ihre eigene, weiterentwickelte Menschlichkeit, kann die Unmenschlichkeit im Verhalten ihrer Urahnen letztlich nicht psychisch verarbeiten. Bemerkenswert ist hier zudem, daß die Zeitreisenden in DDR-Bürger der 5Oer Jahre 'geschlüpft' sind, wodurch der Autor kritische Anmerkungen zu seiner eigenen gesellschaftlichen Realität und jüngeren Vergangenheit integriert. So kann die Erzählung den Leser gleicherweise direkt, vordergründig wie auch auf einer parabelhaften Ebene ansprechen.

Eine völlig andere Dimension öffnet Bernd Ulbrich mit seiner Erzählung "Der unsichtbare Kreis", die zudem stärker tradierten Topoi des Genres verpflichtet ist. (15) Ulbrich gehört mittlerweile zu den wichtigsten und originellsten SF-Autoren der DDR. Sein Erzählungsband DER UNSICHTBARE KREIS (1977) wird insgesamt von dem DDR-Kritiker H. Entner als "das bedeutendste Erzählerdebüt" der letzten Jahre gewürdigt. (16) Für Ulbrich ist Sexualität etwas Elementares, wird von ihm zunächst aber eher beiläufig eingeführt: Sein Held, der Raumfahrer Djagganaut, hat für längere Zeit seine Geliebte auf der Erde zu verlassen, da er zur Besatzung einer Station auf Jupiter gehört. Der Autor schildert diesen Abschied ohne das bei den meisten DDR-Autoren hierfür reservierte Pathos; er beschreibt die scheinbare Bereitschaft zur Trennung, vom Verstand geleitet, dann folgen Gesten und Worte, die den hintergründigen Schmerz über die Trennung von jemandem verdeutlichen, den man liebt, zu dem man eine intensive Beziehung unterhält.

Auf der Raumstation kann der Astronaut die Geliebte nicht aus seinen Gedanken verbannen. Er hat Sehnsucht nach ihrem "Geruch, ihrem Atem, dem Duft ihres Haares". Um Ruhe und um wieder zu sich selbst zu finden, meldet sich Djagganaut freiwillig als erster für die Besetzung eines vorgeschobenen Außenpostens, wo er für längere Zeit allein sein muß. Doch auch hier kann er die Gedanken nicht von der Geliebten Kemele lösen, er hat Wahnvorstellungen, die Grenzen zwischen Realität und Wahn verfließen.

Auf seinem Posten erhält er in dieser Situation Besuch von Außerirdischen. Diese Extraterrestrier sind total fremd, weder in ihrer Gestalt noch in ihrem Bewußtsein und ihrer Zivilisation für den Menschen verständlich; selbst bei aller Bereitschaft auf beiden Seiten bleiben sie außerhalb des menschlichen Vorstellungsvermögens. Der Autor spart Details aus, gibt nur sparsame Andeutungen. Um Kontakt aufzunehmen, erforschen die Außerirdischen Djagganauts Bewußtsein; da Kemele das Wesen ist, das ihm am nächsten steht, mit dem er am stärksten emotional verbunden ist, nimmt einer der Fremden ihre Gestalt an, um so die Kontaktaufnahme zu erleichtern. Die Geliebte Kemele wirkt als durch den Außerirdischen geschaffenes Gebilde noch stärker auf den Helden, erotisch wie emotional, als auf der Erde, denn in dieser Projektion sind ihr Wesen und ihre körperlichen Reize verklärt und idealisiert, eben so, wie sie das Bewußtsein Djagganauts in seiner Erinnerung verklärt.

Die Kontaktaufnahme zwischen _Mensch und Nicht-Mensch vollzieht sich zunächst durch einen Gedankenaustausch, dann muß die Wesenseinheit Kemele/Fremder zur Reproduktion ausruhen. Im Bett neben dem einsamen Raumfahrer kann dieser sich dem erotischen Reiz, seinen sexuellen Trieben und seinem Liebesbedürfnis nicht länger entziehen:

Die Einsamkeit des Astronauten

Sie (... ) betäubte ihn mit ihrem Duft; sie umschloß das Zentrum seiner Lust. Es war zu spät, etwas anderes zu denken oder zu empfinden. Ihre Vereinigung begleitete dieselbe wilde Erregung, die er mit Kemele verloren hatte. Er vergaß die Zweifel und die Ängste des Auseinandergehens. Es hatte nicht stattgefunden. Ihre Leidenschaft war Kemeles Leidenschaft. Doch zarter noch nahm sie ihn in sich auf. Nie hatte er sich so vollständig in eine Sehnsucht verloren. Sein Körper brach auf, sein Innerstes lag bloß, und sie verschloß die grauenhafte Wunde, wuchs in ihm ein, untrennbar. (S.212)

Ulbrich gelingt die überzeugend dichte und poetische Beschreibung der Einsamkeit des Astronauten, seines Wunsches nach sexueller Befriedigung und Liebe. Der Abschluß der Erzählung läßt un teischiedliche Interpretationen zu, da für den Leser nicht völlig eindeutig geklärt wird, ob diese Liebesbegegnung als Wunschphantasie oder Wahnvorstellung zu deuten ist: in seinem mächtiger werdenden Liebesbedürfnis fordert der Raumfahrer seinen irdisch/ außerirdischen Liebespartner auf, sich in seiner wahren Gestalt zu zeigen; dieser warnt entschieden vor seiner Fremdartigkeit, die für den menschlichen Verstand unvorstellbar sei; doch Djagganaut verlangt weiterhin danach. Auf eine Beschreibung verzichtet der Autor und überläßt dem Leser ein individuelles Ausmalen, denn der/das Fremde ist in der Tat so unvorstellbar fremdartig, daß der Held darüber seinen Verstand verliert und in bleibenden Wahnvorstellungen versinkt. So läßt sich einerseits diese Geschichte als originelle, pointierte SF-Story lesen, andererseits sind Interpretationsansätze denkbar, die nicht unbedingt eindeutig sein müssen, die in den Bereich des Politisch- Philosophischen zielen könnten: das Scheitern an der Unvorstellbarkeit des Neuen.

Bei der Darstellung von Liebe und Sexualität in der neueren DDR-SF sind (sofern das Thema überhaupt aufgegriffen wird) vor allem zwei Tendenzen kennzeichnend. Einmal Texte in der Art wie von den Brauns, Wohlrabe, Ulbrich, in denen Liebe und Sexualität als normale Bereiche menschlichen Daseins begriffen und literarisch differenziert eingebracht werden. Vor allem sind dies Arbeiten, die sich in einer 'Übergangssphäre' zwischen 'hoher' und trivialer Literatur ansiedeln lassen, zum Teil sind es Texte, die unzweifelhaft der 'Hochliteratur' zuzurechnen sind.

Meist steht in diesen Arbeiten aber ein anderes Thema, eine direkte oder parabelhaft verkleidete philosophische oder politisch-ideologische Fragestellung im Zentrum, bis hin zur Auseinandersetzung mit den sogenannten 'nichtantagonistischen' Konflikten. Wichtige derartige Beiträge, in denen gelegentlich weitreichende Kritik an gesellschaftlichen Widersprüchen innerhalb der DDR geübt wird, stammen u.a. von Karl-Heinz Jakobs, Erich Köhler, Wolfgang Sämann. (17) Liebe und Sexualität stehen hier zwar im Hintergrund, können aber für die Umsetzung der jeweiligen Autorintention zu zentralen Bereichen werden.

In Karl-Heinz Jakobs Erzählung "Pasewalk" ist der Protagonist durch den "Föpplschen Gravitationseffekt" unsichtbar geworden und muß feststellen, daß sich in seiner Umwelt dadurch nichts ändert, daß er keine Lücke hinterläßt; Jakobs geht es u.a. um die Entfremdung, Leere in den menschlichen, den gesellschaftlichen wie den persönlichen Beziehungen, um die Lieblosigkeit. So beschläft sein Held die Ehefrau als Unsichtbarer, ohne daß sie dies merkte, daß dies bei ihr zu einer Reaktion führte, und ohne daß dies ein Unterschied zu früher wäre, denn auch wenn er als Sichtbarer zu ihr kam, hat sie "schon immer einfach dagelegen wie ein Brett". (18)

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang ein Sammelband zum Thema Geschlechtertausch, in dem sich schreibende Frauen in die Rolle eines Mannes, männliche Autoren umgekehrt in die Rolle einer Frau versetzen: BLITZ AUS HEITERM HIMMEL (19) Teils mit den Mitteln der SF, teils mit denen der Fantasy greifen die Beiträger das Problem der unzureichenden Frauenemanzipation in der DDR-Gesellschaft, aber auch in den individuellen Beziehungen zwischen den Geschlechtern auf. Der wichtigste Beitrag ist Christa Wolfs "Selbstversuch - Traktat zu einem Protokoll"(20). Die Erzählung spielt im Jahre 1992, in dem eine junge Wissenschaftlerin an sich selbst ein neuentwickeltes Mittel zur Geschlechtsumwandlung erprobt. Zu den Gründen, aus denen sie den Selbstversuch vornimmt, gehört der Wunsch, den projektleitenden Professor durch mannhafte Tüchtigkeit zu beeindrucken, seine Anerkennung und möglichst auch seine Zuneigung zu gewinnen. Die Umwandlung vollzieht sich dann schrittweise; sie (er) hält sich zunächst noch für einen Spion in der Männerwelt, bis er (sie) erkennt, daß männliche Eigenschaften überhand nehmen, daß 'Weibliches', die Fähigkeit zu Gefühlen, zur Liebe verlorengeht. Das Experiment muß vorzeitig abgebrochen und mit einer Rückverwandlung beendet werden.

Christa Wolf kritisiert männliches Rollenverhalten und eine Gesellschaft, die durch einen sich verselbständigenden Rationalismus geprägt ist, was sie in Zusammenhang mit dem 'Männlichen' sieht. Sie plädiert für humanere Beziehungen in der Gesellschaft und zwischen Mann und Frau, für eine neue, höhere Gewichtung des Emotionalen, der Zärtlichkeit, der Liebe. - Insgesamt geht es bei allen hier angesprochenen Darstellungen um eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, insbesondere um die Kritik an Fehlentwicklungen, Fehlverhalten.

Eine zweite Tendenz innerhalb der DDR-SF bei der Behandlung von Liebe und Sexualität sind die zukunftsbezogenen Vorstellungen. Hier geht es um den Entwurf, das Aufzeigen neuer Möglichkeiten, Alternativen. Ausgangspunkt kann auch hier die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart sein, die aber nicht parabelhaft, satirisch oder grotesk verfremdet wird, sondern der von einzelnen Autoren denkbare Entwicklungsmöglichkeiten gegenübergestellt werden, wie z.B. in del'Antonios HEIMKEHR DER VORFAHREN. Wenn man von Ansätzen, wie Wohlrabes ''Korrektur der Vergangenheit", absieht, so ist hier eine besondere und wohl auch genrespezifische Schwierigkeit auffällig: der Entwurf eines neuen Menschen, mit veränderten sozialen und erotischen Beziehungen, die in der Realität nicht vorhanden, vielleicht nicht einmal angelegt sind, wirkt meist konstruiert, hölzern, unwirklich.

Daß die Idealisierung des Menschenbildes zwangsläufig mit einem Verzicht an Realismus, an Glaubwürdigkeit einhergeht, zeigen bereits die klassischen Sozialutopien, besonders die des 19. Jahrhunderts. Prototypisch hierfür ist eine frühe russische, sozialistische Utopie, die den SF-Schriftstellern in den sozialistischen Ländern bis in die Gegenwart als Vorbild hingestellt wird: WAS TUN? AUS ERZÄHLUNGEN VON NEUEN MENSCHEN von Nikolaj G. Tschernyschewskij, Erstveröffentlichung 1863, auch in der DDR in mehreren Ausgaben herausgekommen.

Tschernyschewskij beschreibt beides nebeneinander, den alten wie den 'neuen' Menschen, und verdeutlicht dadurch das zentrale Problem bei der Gestaltung des Menschenbildes in utopischer, antizipierender Literatur. Er schafft ein differenziertes, nachvollziehbar realistisches Bild des zeitgenössischen Menschen mit all seinen Schwächen, aber sein Entwurf eines neuen, ethisch und moralisch höher entwickelten Menschen erscheint unwirklich, steril. Dennoch haben diese idealisierten Figuren für den zeitgenössischen Leser sicherlich eine wichtige Funktion gehabt und es ist wohl auch heute anerkennenswert, wenn sich Schriftsteller um die Verbesserung des Menschen durch die Vorstellung eines idealisierten Bildes bemühen, wenn auch nicht immer überzeugend.

Gerade einige DDR-Autoren, die bei der literarischen Verarbeitung von Liebesbeziehungen eher konventionell und hölzern wirken, versuchen in neuerer Zeit, ihr Menschenbild ohne überzogene ldealisierungen weiterzuentwickeln. So beschreibt z. B. Carlos Rasch in seinem Roman MAGMA AM HIMMEL (1975), daß junge Leute, Studenten in Wohn- und Arbeitsgemeinschaften zusammenleben, die er Makrogen nennt, dort gemeinsame Projekte durchführen und auch untereinander durch individuelle, persönliche Beziehungen verbunden sind.

Zusammenfassend muß aber festgestellt werden, daß sich die DDR-SF bis in die Gegenwart überwiegend frei hält von der direkten Darstellung von Sexualität, Liebesbeziehungen auch in neuerer Zeit meist klischeehaft beschreibt, zumindest sehr selten psychologisch differenziert, nachvollziehbar darbietet. Die Ursachen hierfür liegen einmal darin, daß in der DDR für die Genres der unterhaltenden Literatur immer noch stärkere Einschränkungen gelten als für die sonstige, die 'höhere' Literatur. Verlage und Lektorate wirken auch gegenwärtig darauf hin, daß erotisch erscheinende Szenen ausgegliedert wirken, z. T. mit der Begründung, daß SF in hohem Maße von jugendlichen Lesern rezipiert würde. (21)

Der zweite Grund geht auf spezifische Traditionen zurück, hier zeichnen sich Änderungen ab: SF war in der DDR über etliche Jahre hinweg ein stark naturwissenschaftlich-technisch geprägtes Genre, das in vielen Werken bruchlos in die populärwissenschaftliche Literatur überging. Die Autoren waren fast alle Techniker oder Naturwissenschaftler, denen es um die unterhaltsame Popularisierung ihrer Fachgebiete ging oder einfach um unterhaltsame Belehrung, und die sich das literarische Handwerkszeug schwer erarbeiten mußten, insbesondere die glaubwürdige Darstellung von Menschen und ihren Konflikten.

Wenngleich sich schon Wandlungen vollzogen haben, dominieren weiterhin Technik und Abenteuer. Wenn man das Instrumentarium der Psychoanalyse an die DDR-SF anlegte, z.B. Symboluntersuchungen auf der Grundlage von Freuds TRAUMDEUTUNG oder neuerer Arbeiten zur Symbolforschung durchführte, so könnte man vermutlich zu dem Schluß gelangen, daß diese technischen SF-Abenteuer viel unterdrückte Sexualität widerspiegeln, daß Autoren und Leser hier durchaus eine Kompensation unbefriedigter Triebe finden könnten.

Korrektur zur unbefriedigenden Wirklichkeit

Der abenteuerliche Charakter der Geschichten mit der Exotik ihrer Kunstwelten läßt sich, neben anderem, auch als Kompensationsangebot, als "Korrektur zur unbefriedigenden Wirklichkeit" auffassen. Zwar fehlen Superhelden und Space Operas, die Omnipotenzphantasien Vorschub leisten könnten, aber überdimensionierte Klassenkämpfe, Schlachten mit Außerirdischen kennt auch die DDR-SF; so gibt es auch hier genügend Angebote, über die sich der Leser aus seiner Realität hinausträumen kann, ungeachtet der grundsätzlich humanistischeren Anlage und des anderen ideologischen Kontextes. Und auffällig ist ferner, daß diese Traumangebote offensichtlich überwiegend für männliche Leser gemacht werden.

SF ist in der DDR, wie in anderen sozialistischen Ländern und möglicherweise sogar stärker als im Westen, ein eindeutig männliches Genre: Autoren, Lektoren und Leser sind Männer, ältere wie neuere Umfragen zeigen stets, daß sich nur wenige Leserinnen für SF interessieren, daß sie bei Frauen und Mädchen in der Liste der Lektüreprioritäten weit hinten liegt. Die männliche Tradition des Genres wird zudem durch inhaltliche Festschreibungen weitergeführt: immer noch überwiegen Männer als Helden, sind Männer Entscheidungs- und Handlungsträger. Das läßt sich als ein Indiz werten für weitergehende Rollen- und Emanzipationsprobleme in der DDR, für eine Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität.

Die DDR-SF trägt unübersehbar dazu bei, daß geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen in der DDR fest- und fortgeschrieben werden. Selbst in neuen SF-Titeln, die Frauen in den Vordergrund der Handlung stellen und in denen mehrfach ausdrücklich die Gleichberechtigung der Frau postuliert wird, findet man unverhüllt tradierte Rollenklischees und männliche Wunschvorstellungen.

Wolf Weitbrechts 1980 erschienener Roman "Stern der Mütter" handelt von einem Planeten, Siran, auf dem durch kosmische Strahlung die Männer praktisch ausgestorben waren, so daß sich ein männerloser 'Amazonenstaat' entwickelt hat, in dem sich die Frauen durch 'Jungfernzeugung' vermehren. Die Romanhandlung beginnt in einer höherentwickelten, wohl einheitlichen kommunistischen Zukunftsgesellschaft auf der Erde, wo allerdings ein Besuch beim liebenswerten Genossen Medizinprofessor fatal an die irdische Gegenwart erinnert: "Die Sekretärin(... ) servierte einen herrlich duftenden Cafe. Sie selbst, und nicht ein Automat, füllte die hauchdünnen Porzellantassen." (22)

Ansonsten ist auch bei der Verteilung von Funktionen und Berufen auf der Erde noch alles beim Alten: die Männer sind Inspektoren, Professoren, die Frauen Kindergärtnerinnen, Sekretärinnen.

Die Geschichte findet ihren Höhepunkt darin, daß die Siranerinnen die jungfräuliche Geburt und die Liebe unter Frauen schließlich nicht mehr besonders goutieren: Das Zusammenleben in diesem Mutterstaat wurde von "Familien" geprägt, die auf den Beziehungen gleichgeschlechtlicher Partner basierten. Auch Lo hatte dieses Erlebnis gehabt und es als natürlich und beglückend empfunden. Erst auf der Erde spürte sie etwas Geheimnisvolles, in innerster Tiefe Erregendes (Die Heldin Lo war als Kundschafterin zur Erde geschickt worden und hatte dort einen irdischen Biologen geheiratet, H.H.). Sie empfand sich plötzlich als Frau, das siranische Liebesspiel konnte ihr nicht mehr genügen. (S. 105)

 Allein die Erwähnung von Homosexualität ist ein Novum, denn dieser Aspekt menschlichen Geschlechtslebens ist offenkundig für die gesamte DDR-Literatur eine besondere Tabuzone. Allerdings wird auch von Weitbrecht die Gleichgeschlechtlichkeit als etwas Bemitleidenswertes dargestellt: Irdische Naturwissenschaftler machen sich sofort daran, den Siranerinnen zu helfen, wieder Männer zeugen zu können, um so mit Männern zeugen zu können, was eigentlich seit Jahrhunderten geheimer Wunsch der Siranerinnen war und nun, dank irdischer Männer, wieder möglich geworden ist:

Ach Ragita! Wir wissen ja gar nicht, was Liebe ist. Ich war bei ihm, ich weiß jetzt, was ein Mann ist, Ragita, ein Mann! (S. 225)

Männliche Wunschträume werden nicht immer so offenkundig dargeboten wie von Wolf Weitbrecht (23), sie sind aber, trotz Arbeiten der Brauns oder der Beiträge zur Anthologie BLITZ AUS HEITERM HIMMEL, immer noch typisch für die DDR-Science Fiction, so wie sie auch lange Zeit kennzeichnend für die gesamte DDR-Belletristik waren. Seit einem Jahrzehnt ändert sich dieses Bild, vor allem durch neue Autorinnen, durch eine neue Qualität der Literatur von Frauen. (24) Diese neue Frauenprosa der DDR ist u.a. dadurch geprägt, daß Liebe und Sexualität hier zum täglichen Leben gehören, daß von den jüngeren Erzählerinnen der DDR der Liebe und der Sexualität ein höherer Stellenwert zugemessen wird, daß sie nach einer neuen Qualität der menschlichen Beziehungen suchen, daß sie vereinzelt gar der Sexualität den Rang einer "Produktivkraft" zuweisen. Diese neuen Erzählerinnen beschränken sich nicht auf realistisches, formal eng gebundenes Erzählen, auf der Suche nach neuen Formen verarbeiten sie Mittel und Bilder des Mythologischen, Märchenhaften, Phantastischen und Utopischen.

Als eine der ersten, und mittlerweile auch eine der wichtigsten DDR-Schriftstellerinnen, zeigt Irmtraud Morgner in ihren Arbeiten eine Neigung zu phantasiebetonten und phantastischen Erzählweisen sowie ein neues Selbstverständnis, Selbstbewußtsein als Frau. Ihr "lügenhafter Roman" DIE WUNDERSAMEN REISEN GUSTAVS DES WELTF AHRERS (1972) verarbeitet SF-Topoi in einzelnen Episoden, um die Entfremdung des Menschen in der sozialistischen Gesellschaft und die unzureichende Gleichstellung der Frau satirisch und grotesk zu überzeichnen. In der Art klassischer Lügen- und Reiseromane berichtet Irmtraud Morgner über die Weltreise eines pensionierten Lokomotivführers mit seiner Privatlokomotive, mit der er u. a. in einen Amazonenstaat kommt, in dem Habilitationsschriften für den Export hergestellt werden, oder in den Kältestaat Frigidarien, der der Autorin als Spottbild für die Inhumanität gewerblicher Heiratsvermittlung gilt, denn in Frigidarien wird "menschlicher Zufrost" für die "Personenfrostung" gesucht.

 In dem Montageroman LEBEN UND ABENTEUER DER TROBADORA BEATRIZ NACH ZEUGNISSEN IHRER SPIELFRAU LAURA (1974) verbindet Irmtraud Morgner in einer Rahmenhandlung Realistisches, Essayistisches, Dokumentarisches und Phantastisches. Einzelne Episoden des Buches kann man zwar nicht direkt der SF zurechnen, sie übernehmen aber Bilder und Darstellungsweisen. So läßt sich z. B. die "Liebeslegende von Laura Salman" als parabelhafte Kritik an einem tradierten Eheverständnis auffassen: Die Liebenden, ein Arbeiterpaar, die auf der Erde, in der gesellschaftlichen Realität, nicht die Bedingungen zum dauerhaften Liebesglück vorfinden, entfliehen in den Himmel, mittels einer von einem Engel gelenkten Draisine.

Der Himmel erweist sich als Großstadt, die Liebesabteilung als ein riesiges Barackenlager, mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem: "Jeder dritte Insasse war Mitarbeiter des himmlischen Gesundheitswesens. Zur Überwachung gehörte unter anderem die Anfertigung von Elektrokardiogrammen. "Wenn sich auch die anderen Ehepaare der "himmlischen Ordnung" früher oder später fügten, so bietet der Himmel den Protagonisten kein Glück. Die beiden fliehen in die Hölle , doch auch dort kann die versiegende Liebe nicht mit technologischen Gerätschaften, wie "einer Vexiermaschine, einem Gerät, das Aussehen, Geschlecht und Begier der Partner detektorgesteuert wandelte", am Leben erhalten werden.

Charakteristisch für Irmtraud Morgner wie für andere Erzählerinnen ist, daß viele ihrer Texte nicht mehr nach Textsorten oder Genres klassifizierbar sind, sondern daß sie sich zur Umsetzung ihrer Anliegen der unterschiedlichsten Erzählmittel und -bilder bedienen, so daß auf diesem Wege eine Integration der SF, zumindest einzelner Elemente der SF in die 'normale Literatur' stattfindet.

Wenngleich bei den jüngeren DDR-Schriftstellerinnen in der Nachfolge Morgners das Interesse am Märchenhaft-Phantastischen, am Grotesken, am Alptraumhaften stärker ist als an der SF(25), so finden sich doch in Erzählungsbänden, Romanen und Stücken jetzt Episoden, Geschichten und Szenen, die 'handfeste', originelle SF sind, auch wenn sie nicht im Umfeld des Genres erscheinen und von den Lesern nicht unbedingt als SF rezipiert werden. So bringt z. B. Monika Heimecke in ihrem Erzählungsband KLOPFZEICHEN (1979) neben verträumten und sarkastischen, neben märchenhaften und unheimlichen Geschichten auch eine SF-Story, "Die Republik der Tauben", eine politische Parabel (die etwas an H. G. Wells' THE COUNTRY OF THE BLIND erinnert) über eine Republik, in der sich die Leute freiwillig des Gehörs berauben lassen.

In dem Schaffen dieser jüngeren DDR-Autorinnen kann eine Chance für die weitere Enttwicklung der DDR-SF liegen, die dadurch ihren einseitig männlichen Charakter verlieren, die bei der Darstellung von Liebe und Sexualität zu einer neuen Qualität finden könnte, wie überhaupt zu einer neuen Dimension literarischer Qualität. Vielleicht wird sich dann die "wissenschaftliche Phantastik" der DDR eines Tages mehr mit den Bedürfnissen und Trieben der Menschen befassen als mit Raketentriebwerken und den daraus resultierenden Problemen.

 

 

Anmerkungen:

 

1) Vgl. zu diesem Problembereich die Überlegungen des, jetzt in der BRD lebenden, DDR-Autors Günter Kunert: "Sozialistische Gesellschaft und Pornographie", in: Frankfurter Rundschau v. 24.7.1974, S. 7.

 

2) Vgl. hierzu z. B. Heinrich Taut: "Das Bekannte ist nicht das Erkannte", in: Sonntag Nr. 53, 1962, S. 11.

 

3) Vgl. Olaf R. Spittel: "Von fremden und bekannten Sternen - Neues in der DDR-Science-fiction", in: Temperamente. Blätter für junge Literatur H. 4, 1980, S. 145-156.

 

4) Vgl. Hartmut Mechtel: "Die reale Welt der Phantasten", in: Temperamente. Blätter für junge Literatur H. 2, 1978, S. 117 f.

 

5) Wolf Weitbrecht: Stunde der Ceres (zit. nach der Ausgabe "Roman-Zeitung" Nr. 310), Berlin/DDR 1976, S. 3-4.

 

6) Zur ausführlichen Darstellung der Agentenproblematik und zur spezifischen Typisierung der DDR-SF dieser Zeit vgl. das Kapitel "Aufbauwunder und Agentenwesen. Utopisch-phantastische Literatur für die Tagespolitik", in: Horst Heidtmann: Utopisch-phantastische Literatur in der DDR. Untersuchungen zur Entwicklung eines unterhaltungsliterarischen Genres von 1945-1979, München 1982, S. 50-62.

 

7) Vgl. z. B. Alexander Kröger: Antarktis 2020, Berlin/DDR 1973, S. 102.

 

8) Vgl. Günter und Johanna Braun: "Allein im Weltraum", Erstveröff. in: Das Magazin H. 8, 1966, S. 26-28, nachgedruckt in: Franz Rottensteiner (Hg.): Die andere Zukunft. Phantastische Erzählungen aus der DDR, Frankfurt/ M_ 1982, S. 236-240.

 

9) Günter und Johanna Braun: Der Irrtum des Großen Zauberers, Berlin/DDR 1972, nachgedruckt als Suhrkamp-Taschenbuch Bd. 807, Frankfurt/M. 1982.

 

10) Günter und Johanna Braun: Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI, Berlin/DDR 1974, nachgedruckt als Suhrkamp-Taschenbuch Bd. 646, Frankfurt/M. 1981.

 

11) Günter und Johanna Braun: Conviva ludibundus, Berlin/DDR 1978, nachgedruckt als Suhrkamp-Taschenbuch Bd. 748, Frankfurt/M. 1981.

 

12) Vgl. Wolfgang Kellner: "Der Zeitlümmel", in: ders.: Die große Reserve. Phantastische Geschichten aus einer utopischen Zeit, Rudolfstadt 1981, s. 5-16.

 

13) Vgl. Werner Steinberg: Die Augen der Blinden, Berlin/DDR 1973, S. 91.

 

14) Vgl. Klaus Wohlrabe: "Korrektur der Vergangenheit" in: Ekkehard Redlin (Hg.): Der Mann vom Anti. Utopische Erzählungen, Berlin/DDR 1975, S. 292-333; nachgedruckt in: Horst Heidtmann (Hg.): Von einem anderen Stern. Science-Fiction-Geschichten aus der DDR, München 1981 (= dtv Bd. 1874), S. 194-224, nachfolgend hieraus zitiert.

 

15) Vgl. Bernd Ulbrich: "Der unsichtbare Kreis", in: ders.: Der unsichtbare Kreis. Utopische Erzählungen, Berlin/DDR 1977, S. 220-255; nachgedruckt in: Horst Heidtmann (Hg.): Im Jenseits. Unheimlich-phantastische Erzählungen aus der DDR, München 1981 (= dtv Bd. 1875), S. 189-218, nachfolgend hieraus zitiert.

 

16) Vgl. Heinz Entner: "Gut gemeint - Gut gemacht?", in: Neue Deutsche Literatur H. 7, 1979, S. 155.

 

17) Vgl. hierzu u.a. Karl-Heinz Jakobs: Fata Morgana, Berlin/DDR 1977; Erich Köhler: Reise um die Erde in acht Tagen, Berlin/DDR 1979; Wolfgang Sämann: Das Haus des Dr. Pondabel, Rostock 1979.

 

18) Karl-Heinz Jakobs: "Pasewalk", in: ders., a.a.O. S. 125-149; hier zit. nach dem Nachdruck in: H. Heidtmann, Von einem anderen Stern, a.a.O. S. 82-99.

 

19) Edith Anderson (Hg.): Blitz aus heiterm Himmel, Rostock 1975, mit Beiträgen von Günter de Bruyn, Christa Wolf, Gotthold Gloger, Edith Anderson, Rolf Schneider, Sarah Kirsch, Karl-Heinz Jakobs, Annemarie Auer.

 

 

 

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